23.03.2016

Verkündigung mit künstlerischen Mitteln - Kirchberg zeigt „Gleichnisse Jesu“ von Helmuth Uhrig

Dr. Ingrid Helber vor Uhrigs Werken

Monika Naidu (Arbeitskreis Uhrig) erläutert zwei Bilder zum "Verlorenen Sohn"

Es ist die 17. Jahresausstellung mit Werken Helmuth Uhrigs, die am Palmsonntag im Berneuchener Haus Kloster Kirchberg in Sulz am Neckar eröffnet wurde, und es sind insgesamt auch 17 Gleichnisse Jesu, die die Ausstellungsbesucher nun bis zum Frühjahr 2017 betrachten können.

Der Arbeitskreis Uhrig unter der Leitung der Kuratorin Dr. Ingrid Helber hat in monatelanger Arbeit eine Vielzahl von Werken aus der Sammlung des 1979 verstorbenen Künstler ausgewählt und präsentiert nun Ölgemälde, Zeichnungen in unterschiedlichen Techniken wie zum Beispiel Glasfensterentwürfe, Holzschnitte in Farbe und Schwarz-Weiß sowie Bildhauerarbeiten an einer Kanzel.

„Gleichnisse sind bei Jesus eine formenreiche Art der Verkündigung mit großer Verständlichkeit aufgrund von Beobachtungen aus dem zeitgenössischen Leben“, so Dr. Ingrid Helber bei der Vernissage. „In dieser Nachfolge sah sich Helmuth Uhrig in der Verkündigung mit künstlerischen Mitteln – mit Bildern.“
Viele bekannte Gleichnisse wie das vom „Sämann“ oder vom „verlorenen Sohn“ finden sich in den Bildern und Zeichnungen, aber oft bearbeitete Helmuth Uhrig auch weniger bekannte Gleichnisse wie jenes von der „Königlichen Hochzeit“. Dazu fanden die Ausstellungsmacherinnen und -macher in den Archivschränken auf dem Kirchberg mehrere Holzschnitte, die zu einem Viererblock zusammengestellt werden konnten.
Dr. Ingrid Helber über die künstlerische Umsetzung der Gleichnisse durch Helmuth Uhrig: „Bei seiner Arbeit ging es ihm stets um die Interpretation von Bibelstellen, nicht um die „Abbildung“ realistischen Geschehens. Der Künstler las die Bibeltexte ganz genau. Deshalb zwingt er den Betrachter ebenfalls, genau nachzulesen bis in kleinste Detail.“
Typisch für den Künstler ist die Reduzierung auf das Wesentliche als eine Art der Abstraktion. Er überlegte genau, was unbedingt notwendig war, um seine Interpretation zu verstehen. Alles Überflüssige ließ er weg. So verzichtete Uhrig in seinem Spätwerk auch bewusst auf die menschliche Physiognomie. Er wollte dadurch jedem Betrachter die Möglichkeit geben, sich in das Bild hineinzubegeben und sich mit den dargestellten Gestalten zu identifizieren.
Auch die Farbsymbolik spielt eine wichtige Rolle im Werk Helmuth Uhrigs, wie im „Verlorenen Sohn“: Blau steht für den Himmel, Schwarz für die Erde, für Elend und Tod.
Neben der Farbsymbolik setzte Helmuth Uhrig auch von ihm selbst entwickelte Symbole ein. Da sind die Erdlinien als nach unten geöffnete Parabeln. Sie stehen für das Irdische, das Haus der Vaters (beim verlorenen Sohn), aber auch für das Grab. Die nach oben geöffneten Parabeln oder Himmelslinien zeigen den göttlichen Spannungsbereich.
Das Gleichnis „Vom Fischernetz“ ziert die Kanzel der ehemaligen Paul-Gerhardt-Kirche in Ulm, die seit Jahren zur Sammlung Uhrig auf dem Kirchberg gehört. Sie ist eine Reliefarbeit aus Maulbronner Sandstein.
Auch ungegenständliche Zeichnungen Helmuth Uhrigs gehören zur Jahresausstellung 2016, sie sind im Berneuchener Zimmer zu sehen. „In seinen sogenannten „Ludischen Studien“ malte der Künstler aus dem Unterbewussten“, erläutert Dr. Ingrid Helber. „Er stellte er sich kein Thema vor, sondern ließ die Bilder quasi aus sich herausfließen.“

Die Kunstsammlung Helmuth Uhrig im Kloster Kirchberg vermittelt einen Überblick über das Lebenswerk des Bildhauers, Malers, Glasmalers und Mosaikkünstlers.
Helmuth Uhrig (1906 - 1979) hinterließ ein umfangreiches künstlerisches Lebenswerk und machte sich vor allem im Bereich der christlichen Kunst des 20. Jahrhunderts einen Namen.
Das künstlerische Erbe Helmuth Uhrigs kann heute an vielen öffentlichen Gebäuden und evangelischen Kirchen betrachtet werden: Aus Holz, Stein, Kupfer oder Bronze schuf der Künstler unter anderem Kanzeln, Altäre, Taufsteine, Figuren und Reliefs.
Der in Heidenheim an der Brenz geborene Künstler war Mitglied der Evangelischen Michaelsbruderschaft, nach seinem Tod kam sein künstlerischer Nachlass deshalb ins Berneuchener Haus Kloster Kirchberg in Sulz am Neckar, das geistliches Zentrum der Bruderschaft ist.

Die Kunstsammlung Helmuth Uhrig in der Unteren Scheuer ist von März bis Dezember an jedem ersten und dritten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.
Weitere Termine sind nach Vereinbarung gerne möglich, bitte wenden Sie sich dafür an unseren Empfang. Eine Führung durch die Ausstellung dauert etwa eine Stunde.

Weitere Informationen: www.klosterkirchberg.de