04.04.2012

Pressegespräch 775 Jahre Kloster Kirchberg

Kloster Kirchberg feiert in diesem Jahr sein 775-jähriges Jubiläum. Michaelsbruder Adolf Klek ist ein Kenner der Klostergeschichte und lädt ein zu einer historischen Tagung im Juni.

775 Jahre Kloster Kirchberg
Streifzug durch die bewegte Geschichte

Fundamentsteine, die, wie von Geisterhand verrückt, gleich dreimal an einem anderen Platz auftauchen, ein Marienbild, das Tränen vergießt – so manches Wunder hat sich auf dem Kirchberg in den vergangenen 775 Jahren ereignet, und um den mystischen Ort ranken sich zahlreiche Geschichten, Anekdoten und Legenden.Ein Mann, der sich bestens auskennt mit dem Kirchberg, ist der Balinger Adolf Klek. Seit vielen Jahrzehnten beschäftigt sich der pensionierte Schulamtsdirektor und Mitglied der Michaelbruderschaft - einer der drei Berneuchener Gemeinschaften,  deren geistliches Zentrum der Kirchberg ist - mit der Klostergeschichte. Akribisch sammelt er Informationen zur frühen Klosterzeit, durchstöbert Archive und Fachliteratur. Zwei Bücher und zahlreiche Artikel zeugen von seiner Begeisterung für den Ort. Im Rahmen eines Pressegespräches bot der passionierte Historiker, gemeinsam mit dem Geistlichen Leiter des Berneuchener Hauses, Pfarrer Matthias Gössling, am 4. April spannende Einblick in die Geschichte des Kirchbergs. Gleichzeitig warben die beiden für ein Seminar, das vom 11. bis 14. Juni im Tagungs- und Einkehrhaus Kloster Kirchberg stattfinden wird: Klostergründung und Klosterleben auf dem Kirchberg – 775 Jahre Kloster Kirchberg. Bereits im Jahr 1095 wird auf dem Kirchberg eine Burg des Ritters Arnold erwähnt, eines Dienstmannes des Grafen von Hohenberg. Um 1230 schlossen sich Frauen aus dem umwohnenden Adel zu einer Gemeinschaft zusammen. Sie entschieden sich für den Wandbühl als Ort des gemeinsamen Lebens, doch wie durch ein Wunder verschwanden der Fundamentstein und Baumaterialien dreimal vom vorgesehenen Ort. Wohl auch, weil es bei der nahegelegenen Burg Wasser gab, fiel die Bauentscheidung letztendlich für den Kirchberg und im Jahr 1237 stiftete Graf Burkhard III von Hohenberg die Kirchberger Besitztümer dem Kloster. Der Stifter starb 1253 und wurde in der Familiengruft in der Klosterkirche beigesetzt. Die  Grabplatte ist an der Südwand beim Hochalter heute noch zu sehen.Seit der Gründungszeit ist auch das sogenannte Schwesternbuch erhalten, das eine wichtige Quelle zum Leben im Kloster bietet.Im 16. Jahrhundert, als landauf, landab ein Niedergang der Klöster zu beklagen war, gab es auch auf dem Kirchberg nurmehr sieben Frauen, in den Blütezeiten zuvor waren es bis zu 80 Ordensschwestern gewesen. „Zur Nachwuchsgewinnung wurden die Sitten gelockert und das Kloster wandelte sich zum Damenstift, jede Adelige hatte ihren eigenen Haushalt und Bedienstete“, weiß Adolf Klek. Die Gottesdienste wurden nur noch lax gehandhabt und die Damen erhielten Besuch aus benachbarten Junkerkreisen, gar von Parties in der Kirche wird berichtet. „Die österreichischen Besitzer, damals gehörte der Kirchberg als Enklave zu Vorderösterreich, entsandten zwei Beamte, die den Kirchberg wieder auf Vordermann bringen sollten“, erzählt Adolf Klek. Die Nonnen wurde vor die Wahl gestellt: zurück zur Klosterordnung oder Auszug. Nur eine Frau blieb. 

Für eine Neubelebung sorgten 39 Dominikanerinnen, die das evangelisch gewordene Pforzheim verlassen mussten und 1564 auf dem Kirchberg eine neue Heimat fanden. Im Dreißigjährigen Krieg soll das Kloster dann 32 mal geplündert worden sein. 1648 ereignete sich das sogenannte Tränenwunder. Eine Novizin betete vor einem Bildnis der Maria und sah, wie diese plötzlich anfing zu weinen. Vier Tage lang dauerte dieses „Wunder“, das sich schnell unter der Bevölkerung verbreitete: „Die Folge war, dass das Volk auf den Kirchberg strömte und das Kloster mit zahlreichen Opfern und Spenden bedachte. Wegen des großen Andrangs brauchte das Kloster in dieser Zeit sogar zwei Beichtväter“, so Adolf Klek. Dank der spendablen Wallfahrer konnten die Klostergebäude saniert und erweitert werden. 1688 begann der Bau einer neuen Kirche und in den nächsten rund 100 Jahren folgten zahlreiche weitere Um- und Neubauten.

Ein nächstes Highlight – wie man heute sagen würde – in der Kirchberggeschichte bedeutete gleichzeitig das Aus für das Klosterleben. Nach den napoleonischen Kriegen wird das Kloster im Jahr 1806 säkularisiert und geht in den Besitz des Königreichs Württemberg über. Den Nonnen wird freigestellt, weiter im Kloster zu leben oder es zu verlassen. 23 bleiben, erhalten eine Pension und bessern ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Medizin, Heilkräutern, Blechschmuck und Klosterlikör auf. Eine Kommission übernimmt die Aufgabe, alle Besitztümer des Klosters aufzulisten. Adolf Klek: „Der Leiter der Kommission schrieb später seine Lebenserinnerungen auf und berichtet, dass er selten eine Vesper versäumt habe, weil es so wunderbar gewesen sei, wie die ehemailgen Nonnen musizierten.“

Der Kirchberg ist nun eine Domäne und wird an einen Landwirt verpachtet. 1851 folgt die Gründung einer Ackerbauschule für junge Männer, die bis 1941 existiert. 1855 verlässt die letzte Nonne den Kirchberg, im Konventgebäude wohnen Mitarbeiterfamilien, viele Räumlichkeiten werden nur noch als Lagerplatz und Rumpelkammer genutzt. Nach einem Großbrand in Rosenfeld 1868 werden der Ost- und Südflügel des Konventgebäudes abgerissen und für den Wiederaufbau der benachbarten Stadt verwendet. Übrig blieben nur die gotischen Maßwerkfenster des Kreuzgangs.

1958 schließlich wurde das ehemalige Kloster an den Verein Berneuchener Haus vermietet, die drei Berneuchener Gemeinschaften richteten auf dem Kirchberg ihr geistliches Zentrum sowie ein Tagungs- und Einkehrhaus ein. Adolf Klek erinnert sich: „Es fing alles sehr bescheiden an. Im Konventgebäude wohnten wir anfangs noch mit einem Melker und einem Förster zusammen. Alle Mitglieder der Hausgemeinde haben unentgeltlich gearbeitet, Kost und Logis waren frei. Unsere Gottedienste haben wir auf der Nonnenempore abgehalten, denn in der Kirche hat es noch schlimm ausgesehen.“

1969 bezieht die Pächterfamilie Weiler einen neuen Hof direkt neben dem Kloster, der Tagungsbetrieb nimmt Fahrt auf – und wird jäh gestört durch einen Großbrand im Jahr 1979. Der Dachstuhl des Konventgebäudes wird vernichtet und der 2. Stock verbrennt bis auf die Außenmauern, Menschen kommen zum Glück nicht zu Schaden und auch die Kirche bleibt verschont. Dank des damaligen Finanzministers Robert Gleichauf, der aus Oberndorf stammte, engagiert sich das Land Baden-Württemberg mit 20 Millionen D-Mark für den Wiederaufbau, die Arbeiten dauern rund 10 Jahre.

Zwei Jahrzehnte später ist das Berneuchener Haus Kloster Kirchberg ein Ort, der jährlich von 6000 Menschen besucht wird. Sie besuchen Tagungen, machen Ferien, bilden sich fort. „Größtes Charakteristikum des Hauses“, erläutert  Matthias Gössling, „ist die Stille, die man hier findet. Mit dieser Besonderheit werben wir für uns und unsere Angebote. Wir meinen, dass Stille und die Möglichkeit, inne zu halten, gerade in der heutigen hektischen Zeit nötig und wichtig sind. Gleichzeitig möchten wir auch ein offenes Haus sein, das den verschiedensten Menschen Raum bietet. Diese beiden Pole zusammenzubekommen – auf der einen Seite die Bewahrung der Stille, auf der anderen die Öffnung und Belebung – ist eine tägliche Herausforderung, die es zu meistern gilt.“

Große Feierlichkeiten finden anlässlich des 775-jährigen Jubiläums auf dem Kirchberg nicht statt, am Klosterfest am 1. Mai haben die Besucher aber die Gelegenheit zu Klosterführungen, und Adolf Klek lädt Interessierte auf eine bebilderte Reise in die Klostergeschichte ein. Außerdem findet jeden Sonntag um 15 Uhr eine öffentliche Führung statt, die Mindestteilnehmerzahl beträgt fünf Personen. Das Seminar „Klostergründung und Klosterleben auf dem Kirchberg – 775 Jahre Kloster Kirchberg“ findet vom 11. bis 14. Juni im Berneuchener Haus statt. Weitere Informationen unter www.klosterkirchberg.de oder telefonisch: 07454-8830.

Wer sich eingehender mit der Geschichte von Kloster Kirchberg beschäftigen möchte, dem seien die beiden Bücher von Adolk Klek empfohlen: „Nonnen, Ritter, Kommissare in der Klostergeschichte“ sowie „Herrengunst und Frauenminne“. Beide sind im Klosterladen auf dem Kirchberg erhältlich. Auch der Sulzer Bürgermeister, Gerd Hieber, blickt in einem Grußwort auf die Geschichte des Klosters Kirchberg zurück und hebt die Bedeutung des Berneuchener Hauses für die Stadt hervor. Hier können Sie das Grußwort herunterladen.

Dagmar Kötting
Öffentlichkeitsarbeit Berneuchener Haus Kloster Kirchberg