29.01.2014

Potenzial entfalten - Kirchberger Dialog 2014

Beatstomper

Konzentrierte Kreativität beim Kirchberger Dialog

Prof. Christian E. Elger

Workshop Rhythmik

Berneuchener Haus Kloster Kirchberg, Sulz a. N.: Potenzial entfalten – Neurowissenschaft und Praxis. In diesem spannenden Themenfeld bewegten sich in diesem Jahr die Teilnehmer des Kirchberger Dialogs, der vom 27. bis 29. Januar im Berneuchener Haus Kloster Kirchberg in Sulz am Neckar stattfand.

Aus ganz Deutschland waren die rund 60 Teilnehmer angereist, vom Architekten, über Manager im Sozialbereich, bis hin zu Bankern, Unternehmensberatern und Personalleitern. Sie nutzten zwei Tage lang die Abgeschiedenheit des Klosters zur Weiterbildung, zum Austausch, Netzwerken und Entspannen. Zum Entschleunigen und Kraft tanken trugen auch ein gemeinsames morgendliches Walking, ein Dialogspaziergang in der Tradition der Peripatetiker und vor allem die Tagzeitengebete der Berneuchener Gemeinschaften bei.   

Schon die Titel der einzelnen Vorträge und Workshops klangen außergewöhnlich: „Mehr ugga-ugga im Leben“, „Im Gehen denken“, „Mit Schrott zum Kompetenznachweis Kultur“.
Um das Thema Potenzialentfaltung vielfältig zu beleuchten, hatten die Organisatoren, zu vorderst die bruderhausDIAKONIE und die Samariterstiftung, Referenten aus den verschiedensten Disziplinen verpflichtet.

Den Anfang machte Roger Grolimund von der Stifti Foundation Zürich. Er setzt sich für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ein, sein Projekt „Gorilla – mehr ugga-ugga im Leben“ hat in zahllosen Workshops tausende Schweizer Jugendliche zu Körperbewusstsein und gesunder Ernährung gebracht und sie animiert, eigene Potenziale zu erkennen und einzusetzen.

In die Tiefen der Neurowissenschaft tauchte der Bonner Neurologe und Vorstand des Center for Economics and Neuroscience an der Uni Bonn, Prof. Dr. Christian E. Elger ein. „Wir Neurologen wundern uns nicht über Krankheiten“, beschrieb der Wissenschaftler das hochkomplexe Faszinosum Gehirn, „sondern über das Gehirn. Es ist für uns fast unwahrscheinlich, dass es funktioniert.“ Bei seinem Vortrag und einem anschließenden Workshop erfuhren die Teilnehmer, warum die richtige Kommunikation im Arbeitsalltag aus neurobiologischer Sicht unabdingbar für Führung und Teambildung ist. Mit neuesten Erkenntnissen der Hirnforschung illustrierte der Direktor der Bonner Universitätsklinik für Epileptologie, wie vorhandene Potenziale freigelegt, gefördert und eingesetzt werden können. „Anpassungsdruck“, so Elger, „führt zur Hirnentwicklung“. Das habe die Evolution bewiesen. Jede Herausforderung sei positiv für das Gehirn, jedes Verharren in alten Strukturen von Nachteil. „Eine reduzierte Nutzung“, folgerte Elger, „führt zu einer Rückentwicklung.“. „Und“, so resümierte Elger, „die Evolution des menschlichen Gehirns geht weiter. Es gibt keine digitale Demenz, wie manche Wissenschaftler behaupten.“

Laut wurde es im ansonsten sehr stillen Kloster Kirchberg während des Vortrags und Workshops von Dr. Dierk Zaiser von der Musikhochschule Trossingen. Er stellte „Beatstomper“ vor, ein Rhythmus- und Performanceprojekt für straffällig gewordene und sozial benachteiligte Jugendliche. Vier der „Beatstomper“ bewiesen laut- und rhythmusstark auf großen Plastikfässern und selbst gebauten Akustikgeräten, welche Potenziale in ihnen stecken, und im folgenden Workshop gaben sie ihr Wissen fachkundig an die eher ungeübten Trommlerinnen und Trommler weiter.

Körpereinsatz war auch beim Vortrag des Tänzers, Choreografs und Musikers Eric Gauthier gefragt. Der künstlerische Leiter der Gauthier Dance Company am Stuttgarter Theaterhaus animierte die Dialog-Teilnehmer zum Tanzen und berichtete darüber, wie er beim Casting neuer Kompanie-Tänzer deren Potenzial entdeckt und wie man aus lauter Einzelkämpfern ein homogene Tanzgruppe formt.

Dem kreativen Potenzial widmeten sich auch die zwei weiteren Referentinnen des Kirchberger Dialogs: Die Diplomdesignerin, Grafikerin und freischaffende Künstlerin  Antje Holzwarth gab mit verschiedenen Techniken und praktischen Übungen Anregungen zur Weckung brachliegender Potenziale; die Sängerin, Schauspielerin und Clownin Ina Z zog als fahrende Gauklerin das abendliche Publikum in ihren Bann.

Der nächste Kirchberger Dialog findet im Januar 2015 statt.

Dagmar Kötting

Alle Fotos: BruderhausDiakonie, Markus Zeile


Stimmen zum Kirchberger Dialog 2014

Helmut Beutel, Praxis für Psychotherapie und Coaching
Der Kirchberger Dialog findet jetzt zum neunten Mal statt. Es gelingt hier wirklich, Führungskräfte aus Wirtschaft und aus Sozialunternehmen zusammenzubringen.

Andrea Müller, beratung.dienstleistung.vertrieb.
Ich finde die unterschiedlichen Themen, die hier beleuchtet werden, sehr spannend. Ich werde die Impulse übers Jahr in meinen Alltag aufnehmen. Einige Projekte werde ich mit Sicherheit im Ländle verbreiten.

Stefan Glasmeyer, LEWA GmbH
Es hat mich beeindruckt, wie Eric Gauthier Leadership durch Leidenschaft lebt. Ich nehme mit, dass man immer wieder die normalen Denkmuster verlassen sollte, dass Querdenken etwas Positives ist.

Steffen Bohnet, Porsche Consulting GmbH
Ich finde es beeindruckend, wie selbstverständlich hier Vernetzung zwischen Wirtschaft und Sozialwirtschaft stattfindet.

Alexandra Mehler, Kreissparkasse Göppingen
Es ist beeindruckend, wie die Teilnehmer aufeinander zugehen.

Thomas Schneider-Graf, Kottkamp & Schneider, Freie Architekten
Ich finde den Dialog zwischen Sozialwirtschaft und Privatwirtschaft sehr spannend, auch weil unterschiedlichen Sprachen gesprochen werden. Das Thema „Potenziale entdecken“ ist ebenfalls sehr spannend, besonders der Vortrag über die Gehirnforschung war sehr informativ.

Thomas Stäbler, BruderhausDiakonie
Ich habe eine andere Blickweise bekommen und fand den Austausch mit anderen Führungskräften bereichernd.

Angela Krohmer, Samariterstiftung
Der Vortrag von Roger Grolimund hat gezeigt, wie man mit Begeisterungsfähigkeit und Engagement Potenziale bei sich und anderen entdecken kann.

Berthold Hänssler, Kreissparkasse Göppingen
Es ist toll zu sehen, wie Menschen aus verschiedenen Firmen und Bereichen, verschiedenen Alters und Geschlechts, den Wunsch haben, etwas Gutes mitzunehmen, hinauszutragen und umzusetzen.

 

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