18.03.2015

Musikalische Vespern auf dem Kirchberg starten mit Passionsmusik

Am Sonntag, den 29. März startet die Reihe der „Musikalischen Vespern“ im Berneuchener Haus Kloster Kirchberg in Sulz in die Saison 2015.

Um 17 Uhr singt der Kammerchor Consortium Vocale Balingen unter der Leitung von Stefanie Köpfler-Bertels die Musikalische Vesper mit dem Titel „Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld“ in der Johanniskirche.
Auf dem Programm stehen Chorwerke von Orlando di Lasso, Christoph Demantius und Heinrich Schütz.

In dem 1991 von seiner Chorleiterin als Projektchor ins Leben gerufenen Kammerchor Consortium Vocale Balingen finden sich Singbegeisterte zusammen, um in intensiven Probenphasen anspruchsvolle Chorliteratur zu erarbeiten. Zum Repertoire gehören a-capella-Stücke von der Renaissance bis zur Gegenwart ebenso wie große oratorische Werke, zuletzt wurde das Deutsche Requiem von Johannes Brahms aufgeführt. Die Besetzung des Chores variiert von Projekt zu Projekt, jedoch verfügt der Chor über einen Stamm von erfahrenen, zum Teil gesanglich ausgebildeten Sängern und Sängerinnen.

Stefanie Köpfler-Bertels studierte Kirchenmusik B an der Kirchenmusikschule Rottenburg im Fach Orgel bei Wolfram Rehfeldt und Prof. Bernhard Ader. Im September 1987 trat sie die damals neu eingerichtete hauptamtliche Stelle als Kirchenmusikerin an der Heilig-Geist-Kirche in Balingen an. Bis 1992 studierte sie neben ihrer Tätigkeit in Balingen an der Musikhochschule Trossingen Orgel mit Abschluss Musiklehrer-Diplom bei Prof. Gerd Witte, Künstlerischer Abschluss bei Prof. Christoph Bossert und Historische Orgel bei Prof. Andrea Marcon. Meisterkurse besuchte sie für Orgel bei Andrea Marcon, Michael Belotti und William Porter, sowie für Chorleitung bei Knut Nystedt.

Der Eintritt zur „Musikalischen Vesper“ ist frei, Spenden sind willkommen.
Die nächste „Musikalische Vesper“ findet am 26. April statt.

Orlando di Lasso (1532-1594) war einer der bedeutendsten Komponisten der Hochrenaissance. Er war Kapellmeister der herzoglichen Hofkapelle in München und wurde 1570 von Kaiser Maximilian geadelt.
Die Motetten „Exaudi Domine“ (Ps55, 2-3a) und „Miserere mei“ (Ps 51,3) entstammen aus seiner reifsten Schaffenszeit und sind Teil einer Sammlung von Motetten, die Lasso dem Domprobst Alexander Fugger in Freising gewidmet hat. Dem Umstand, dass die Hofkapelle auf 17 Musiker verkleinert werden musste, ist es zu verdanken, dass Lasso für die kleine vierstimmige Besetzung komponierte. Der künstlerischen Tiefe tat dies jedoch nicht den geringsten Abbruch, denn die Gabe des Genius befähigt dazu, aus jedem, auch dem kleinsten Werk einen in sich geschlossenen Kosmos zu gestalten.

Der Schütz-Zeitgenosse Christoph Demantius  (1567-1643) war Kantor in Zittau und Freiberg. Er schuf zahlreiche zu Unrecht in Vergessenheit geratene Kompositionen wie Lieder, Tänze, geistliche Werke und Motetten und vieles mehr. Die „Deutsche Johannes-Passion“ zu 6 Stimmen ist sein Spätwerk, und zugleich die Krone seines Schaffens. Als Textvorlage liegt mit Kürzungen die Stelle Joh 18, 1-19 zugrunde. Am Anfang und am Schluss stehen die alten Formeln „Höret das Leiden“ bzw. „Wir glauben“.  Die in der Form der polyphonen Figuralmotette erzählte Leidensgeschichte steht in der Tradition der Choralpassionen von Schütz und Lechner. Sie zeichnet sich ganz besonders durch das gefühlhafte Nacherleben und die dramatische Vergegenständlichung der Leidensgeschichte aus und ist, obwohl der äußeren Form nach archaisch, in ihrer inneren Form weit moderner als bei irgendeinem Zeitgenossen seiner Zeit.
Die vom Chor erarbeitete Fassung orientiert sich sehr eng am Text und versucht dem Hörer durch einen freieren Umgang mit Fermaten und Tempi, sowie dem Einsatz von Solisten bei der Darstellung von Einzelpersonen ein unmittelbares Miterleben der Passionsgeschichte  zu ermöglichen.Die „Weissagungen des Leidens und Sterbens Jesu Christi“ nach dem 53. Kapitel des Propheten Jesaja zu sechs Stimmen sind im Zusammenhang mit seiner Johannespassion zu sehen. Die musikalischen Ausdrucksmomente in der Tonsprache von Christoph Demantius zeigen sich  in tonmalerischen  Motiven,  in symbolisierenden, Vorstellungen oder Begriffe verdeutlichenden Stellen und expressiven, menschliche Gefühle widerspiegelnden Abschnitten.

Heinrich Schütz (1585-1672) gilt als der bedeutendste Komponist des deutschen Frühbarocks. Er  war - lange vor Bach, Händel und Beethoven - der erste deutsche Komponist von Weltrang und wird daher oft als "Vater der deutschen Musik" bezeichnet. Das besondere Merkmal seines Schaffens ist die Ausdeutung der Sprache. Der Schütz –Schüler Christoph Bernhard bezeichnete Schütz’ Kompositionsweise als „stylus luxurians communis“, in dem sich Musik und Sprache als gleichberechtigte Partner ergänzen, denn er bestünde zwar „mehr aus guter Aria“, welche sich aber gleichwohl „zum Texte […] zum besten reimet […]“.