12.05.2014

Liebesabenteuer, Bauernkrieg und Messerstechereien (Kopie 1)

Adolf Kleks neues Buch „ain wild ding damals zu Kirchperg“

Berneuchener Haus Kloster Kirchberg, Sulz a. N.: Der Michaelsbruder und Kirchberg-Historiker Adolf Klek stellte am 12. Mai sein mittlerweile fünftes Buch über die Geschichte von Kloster Kirchberg vor.
Es trägt den Titel „ain wild ding damals zu Kirchperg“ und beleuchtet die „Krisen- und Krimizeit im Frauenkloster“ in den Jahren 1470 bis 1570.

Das Zitat im Buchtitel ist Teil einer Zeugenaussage vor dem Hofgericht Rottweil. In dem Prozess ging es um einen Überfall eines Bauernhaufens auf Kloster Kirchberg im April 1525.
„Ain wild ding“ spielte sich jedoch auch bei anderen Vorfällen in der Klostergeschichte von 1470 bis 1570 ab. In dem Dominikanerinnenkloster folgte eine Krise auf die andere und es geschahen immer wieder außergewöhnliche Kriminalfälle. Der Geist der neuen Zeit, der Renaissance, drang auch hinter die Klostermauern und so hielten sich die Nonnen aus den Adelsfamilien der Region kaum mehr an die alten Ordensregeln. Die Frauen nahmen sich die Freiheit, im Kloster einen eigenen Haushalt mit einer Magd zu führen, auf Reisen zu gehen - 1504 fuhren einige Ordensfrauen sogar zum Schützenfest nach Zürich und nahmen dort, urkundlich festgehalten, an einer Lotterie teil - oder Besuche von jungen Herren zu empfangen. 

Kriminelle Energie entlud sich nicht nur bei den Bauern, als sie bei ihrem zweimaligen Raubzug zum Kloster Kälber und Ochsen schlachteten und verspeisten sowie Weinfässer leerten. Bei einem Streit unter den Klosterfrauen soll durch Messerstiche sogar Blut geflossen sein. Verwaltungsleute leisteten sich Betrügereien mit den Einkünften des Klosters aus dessen zahlreichen Besitzungen. Die Misswirtschaft führte zu Schulden und in Schriftstücken im Hauptstaatsarchiv in Stuttgart ist mehrfach davon die Rede, dass jemand vom Kloster Kirchberg ins Gefängnis nach Rottenburg abgeführt wurde. „Eine sehr, sehr harte Zeit war das hier“, so Autor Adolf Klek.

Weil Kontroll-Kommissionen des österreichischen Schirmherrn wie auch Visitationen durch die oberste Ordensleitung der Dominikanerinnen zu keiner Besserung führten, war die völlige Auflösung des Klosters in Bälde zu befürchten. Rettung brachte ein Schwesternkonvent aus dem Magdalenenkloster in Pforzheim. 1564, also vor genau 450 Jahren, zog er in die fast leeren und sehr baufällig gewordenen Klausurgebäude auf dem Kirchberg ein. Die Pforzheimerinnen entgingen mit ihrer Übersiedlung dem harten Druck des badischen Markgrafen, den evangelischen Glauben anzunehmen. Sie erhielten von ihm eine stattliche Abfindungssumme für ihren bisherigen Klosterbesitz. Damit konnten sie auf dem Kirchberg notwendige Baumaßnahmen durchführen lassen. Ihr strenges Befolgen der Ordensregel veranlasste sechs der sieben bisherigen Kirchbergerinnen, aus dem Kloster auszutreten. Ein neuer Aufschwung trat im Klosterleben ein.

Über Jahre hinweg hat Adolf Klek, der seit genau 60 Jahren Michaelsbruder ist und über profunde historische Kenntnisse über den Kirchberg verfügt, für „ain wild ding“ in zahlreichen Archiven und Fachzeitschriften recherchiert. Dabei spürte er auch originale Urkunden auf und entzifferte ihre schwer lesbare Handschrift. Das älteste Dokument, auf das er stieß, stammt aus dem Jahr 1478.

Mit seinem Buch möchte der Schulpädagoge im Ruhestand, der in Balingen lebt, den Besuchern von Kloster Kirchberg und allen an regionaler Geschichte Interessierten vielseitige Einblicke in das spannende Geschehen in und um das Kloster während einer stürmischen Epoche ermöglichen. Dabei erzählt Adolf Klek keine staubtrockene Historie, sondern berichtet auf lebendige Art über erstaunliche Geschichte und Geschichten. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis im Buch gibt die Möglichkeit zu weiterführenden Studien, zahlreiche Abbildungen ergänzen den Text.

Geradezu stolz ist der 82-Jährige drauf, dass es ihm gelungen ist, ein Foto eines Alterbehanges zu beschaffen, der sich im Kunstmuseum in Cincinnati (USA) befindet. Das kostbare, zwei Meter lange und ein Meter hohe Antependium wurde wohl von den Pforzheimer Nonnen auf den Kirchberg gebracht, verschwand dann aber Anfang auf unbekannte Weise von dort. „Manche Geheimnisse um das goldbestickte, kostbare Tuch konnte ich lüften“, verrät Adolf Klek, „aber manche verbleiben.“

Das Buch „ain wild ding damals zu Kirchperg. Krisen- und Krimizeit im Frauenkloster 1470 – 1570“ (ISBN–Nummer 978-3-00-045499-8) erhalten Sie für 18,80 Euro im Klosterladen im Berneuchener Haus Kloster Kirchberg (72172 Sulz am Neckar, Tel. 07454/883-137, E-Mail: klosterladen@klosterkirchberg.de)