10.02.2014

Licht, Leben, Liebe: Kurt Reuber – Erinnerungen an einen Vielbegabten

Kurt Reuber - Selbstbildnis

Stalingradmadonna

Berneuchener Haus Kloster Kirchberg, Sulz a. N.:
Vor 70 Jahren, am 20. Januar 1944, starb der Maler, Arzt, Pfarrer und Michaelsbruder Kurt Reuber. Seine Madonna von Stalingrad hat den "kurhessischen Albert Schweitzer", wie er oft genannt wird, weithin bekannt gemacht. Wie kaum ein anderes Bild steht die Kohlezeichnung, die Kurt Reuber Weihnachten 1942 im Kessel von Stalingrad schuf, für Geborgenheit inmitten schlimmster Bedrohung. Das Original hängt heute in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, Kopien finden sich in Coventry, Wolgograd und auch in der Johanniskirche im Sulzer Kloster Kirchberg, dem Geistlichen Zentrum der Evangelischen Michaelsbruderschaft, der Kurt Reuber angehörte.

Doch wer war dieser Mann, was hat er in seinen nur 37 Jahren geschaffen und was bleibt als sein verpflichtendes Erbe? Diesen Fragen geht im Berneuchener Haus Kloster Kirchberg vom 11. bis 13. März 2014 - zu seinem Gedenken - eine Tagung in Bildern, Texten und Vorträgen nach.
In verschiedenen Gesprächen und Impulsen werden sowohl der Künstler, als auch der Theologe und Michaelsbruder Kurt Reuber beleuchtet. Die Tagung schließt mit einem Ausblick auf Erbe und Auftrag: Was bleibt und wozu fordert uns das Werk Kurt Reubers auf?
Zu den Referenten gehören neben der Tochter Kurt Reubers, Ute Tolkmitt, der Berliner Altbischof und Reuber-Experte Dr. Martin Kruse sowie Pfarrer Herbert Naglatzki, Dekan Jürgen Renner und Pfarrer Dr. Frank Lilie von der Evangelischen Michaelsbruderschaft.

Parallel zur Tagung findet im Konventgebäude von Kloster Kirchberg eine kleine Ausstellung mit Werken von Kurt Reuber statt. Außerdem sind in der Sammlung Uhrig einige Bilder und Skulpturen zu sehen, die ebenfalls im Russland des 2. Weltkriegs entstanden. Wie Kurt Reuber war der Michaelsbruder Helmuth Uhrig dort im medizinischen Bereich im Einsatz. Die Reuber-Präsentation wird bis Anfang Mai im Berneuchener Haus zu sehen sein.
Am Nachmittag des 12. März wird es, gemeinsam mit Kurt Reubers Tochter Ute Tolkmitt sowie weiteren Referenten, eine Besichtigung der Präsentation geben, zu der Pressevertreter herzlich eingeladen ist. Der Rundgang beginnt um 15 Uhr im EG Konventgebäude.

Zu Kurt Reuber
Kurt Reuber wurde am 26. Mai 1906 in Kassel geboren, nach dem Abitur studierte er Theologie in Bethel, Tübingen und Marburg, sein Vikariat absolvierte er 1930 bis 32 in Marburg und zuvor in Loshausen. Hier in der Landschaft der Schwalm und nahe der Künstlerkolonie Willingshausen malte Kurt Reuber viel und knüpfte – selbst dem religiösen Sozialismus nahestehend – Kontakte zur Berneuchener Bewegung. 1932, bereits ein Jahr nach ihrer Gründung, trat er der Evangelischen Michaelsbruderschaft bei.

Nach der Promotion 1933 in Marburg übernahm Kurt Reuber eine Pfarrstelle in Wichmannshausen, zeitgleich begann er ein Medizinstudium in Göttingen, das er 1938 abschloss. Ein Jahr später folgte die Einberufung als Truppenarzt, er wurde auf dem Balkan und in der Sowjetunion als Seuchenarzt eingesetzt. Von dem innigen Verhältnis, das Kurt Reuber zu den Menschen in seinem Einsatzgebiet pflegte, zeugen die mehr als 150 Kohlezeichnungen, vor allem einfühlsame Porträts, die dort entstanden.
Nur wenige Tage, bevor der Kessel von Stalingrad geschlossen wurde, kehrte Kurt Reuber dorthin aus einem Heimaturlaub zurück. Weihnachten 1942 entstand dann die Madonna von Stalingrad, auf der Rückseite einer russischen Landkarte: Eine Mutter, umfangen von einer schützenden Hülle, die ihr Kind an sich schmiegt. Neben der Zeichnung stehen die für das Johannesevanglium prägenden Worte: Licht, Leben, Liebe.
Das Bild der Stalingradmadonna kam mit einem der letzten Transportflugzeuge, das Stalingrad verließ, durch einen schwer verwundeten Soldaten zur Familie Kurt Reubers.
Kurt Reuber gelangte schließlich in russische Gefangenschaft, wo er am 20. Januar 1944 im Lager Jelabuga starb.
Die Stalingradmadonna hängt seit 1983 in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche Berlin - als Anregung für Gedenken und Gebet und als Erinnerung an die Gefallenen und Mahnung zum Frieden.
Mit Albert Schweitzer – Kurt Reuber wird immer wieder als ‚kurhessischer Albert Schweitzer‘ bezeichnet - verband Kurt Reuber nicht nur die dreifache Profession: Theologie, Medizin, Kunst. Die beiden Männer waren auch befreundet und Albert Schweitzer übernahm die Patenschaft für Kurt Reubers ältesten Sohn.

Dagmar Kötting