13.11.2012

Jahrespressegespräch 2012

Der geistliche Leiter des Berneuchener Hauses Kloster Kirchberg, Pfarrer Matthias Gössling (links) und der kaufmännische Leiter Lothar Hölzle

Mehr Einzelgäste, weniger kirchliche und gemeinnützige Gruppen -
Jahrespressegespräch im Berneuchener Haus Kloster Kirchberg

Nach dem sehr schwierigen Jahr 2011 – bedingt durch finanzielle Einbußen aufgrund von Renovierungsarbeiten und der dadurch notwenigen Hausschließung – befindet sich das Tagungs- und Einkehrhaus „Berneuchener Haus Kloster Kirchberg“ in Sulz am Neckar wieder im Aufwind.

„In 2012 haben wir mit voraussichtlich 16.700 Übernachtungen eine Steigerung um 7% zum Vorjahr erreicht“, berichtet der kaufmännische Leiter Lothar Hölzle beim Jahrespressegespräch am 13. November. „Der Anteil der Einzelgäste und der Gäste unserer hauseigenen Veranstaltungen wächst, die Buchungen kirchlicher und gemeinnütziger Gruppen sind rückläufig.“ Bei den Wirtschaftsgruppen, so Hölzle weiter, gäbe es eine leichte Steigerung, die er unter anderem darauf zurückführt, dass es seit Frühjahr 2012 in allen Tagungsräumen und vielen Zimmern Internetanschluss gibt: „Für viele Wirtschaftsgruppen ist das ein K.-o.-Kriterium“. Weitere Gründe, die Wirtschaftsgruppen zu einer Buchung auf dem Kirchberg animierten, seien die Möglichkeit des effizienten Arbeitens mit wenig Ablenkung - der schlechte Handyempfang wirkt sich hier positiv aus – und die inspirierende Atmosphäre, die Ruhe ausstrahlt und zur Entschleunigung beiträgt.
„Überhaupt“, so Hölzle, „zeigt sich im Gespräch mit den Gästen, dass die besondere Atmosphäre auf dem Kirchberg Kriterium Nummer eins für die Aufenthaltsentscheidung ist. Einmal ist da das Äußere der gesamten Klosteranlage und die Umgebung und dann noch das innere Befinden – zur Ruhe zu kommen, sich zu sammeln und nicht zuletzt die Tagzeitengebete.“

Für 2013 möchte man eine Steigerung um 6% und damit 17.700 Übernachtungen erreichen. Dafür müssen jedoch weitere Gelder in die Hand genommen werden, doch die finanziellen Mittel sind eingeengt. In diesem Jahr konnte nur das Notwendigste finanziert werden – die bereits erwähnte Internetanbindung, eine neue Telefonanlage und ein neuer Internetauftritt. Im kommenden Jahr stehen die Sanierung der Heizungsanlage mit Unterstützung des Landes an und die Erneuerung der EDV-Infrastruktur. Ein Wunsch für die fernere Zukunft, der aber 2013 bereits mit einer Machbarkeitsstudie angegangen wird, ist der Umbau der bisher als Lagerraum genutzten Oberen Scheuer zu einem weiteren Tagungshaus mit zusätzlichen flexiblen Seminarräumen und einem Meditationsraum.

Bei all den Investitionen, Zahlen und Planungen spielt auf dem Kirchberg der Mensch jedoch immer die größte Rolle: als Gast, als Mitarbeiterin und Mitarbeiter und als Ehrenamtliche/r. Denn, so Hölzle: „Auch durch Wertschätzung ist eine Wertschöpfung erreichbar. Das gilt für den Umgang mit den Menschen, aber auch mit den Ressourcen.“ Deshalb wird auf das Thema Nachhaltigkeit in allen Bereichen des Hauses – von der Nutzung von Wasserenergie bis hin zum regionalen Einkauf – großer Wert gelegt.

Die Mitgliederentwicklung im Verein Berneuchener Haus e.V., dem Trägerverein des Hauses, ist rückläufig, insbesondere begründet durch die steigende Alterstruktur der Mitglieder, viele sind 80 Jahre und älter. 2012 sind 19 Austritte bzw. Beendigungen der Mitgliedschaft durch Versterben zu verzeichnen. Es gab jedoch auch Neu-Eintritte und die aktuelle Mitgliederzahl beträgt 660. Auch in der Struktur des Vereins Berneuchener Haus e.V. gab es Veränderungen: Der frühere Beirat wurde durch einen neu gewählten Verwaltungsrat ersetzt, der Vorstand verkleinert und der Geschäftsführende Vorstand abgeschafft – ein Beitrag zur Optimierung in zeitlicher und finanzieller Hinsicht.

Der geistliche Leiter des Hauses, Pfarrer Matthias Gössling, widmete sich neben einem Ausblick auf das Veranstaltungsprogramm 2013 auch der klösterlichen Prägung des Hauses: „Das Kloster Kirchberg ist ein dezidiert christliches Haus – mit einem großen ökumenischen Herz. Ich sage immer, wenn ich Gruppen in unserem Haus begrüße: Sie sind zu Gast in einem Kloster, das natürlich kein Kloster mehr ist, weil es säkularisiert wurde und weil kein Konvent von Schwestern oder Brüdern hier lebt. Und doch ist es ein Kloster: Denn auch heute noch versuchen Menschen hier in besonderer Weise, Gott zu suchen, Gott zu finden und aus ihm zu leben. Das zu suchen, was trägt und hält. Einzuüben, das eigene Ich loszulassen.“ Klösterliche Strukturen schafften auch, wie Gössling ergänzte, die regelmäßigen Tagzeitengebete, das Singen und Beten der Psalmen, das Hören auf das Wort der Bibel, die Fürbitten für Einzelne und Anliegen der Welt und die Feiern der Evangelischen Messe.

Der Veranstaltungsplan 2013, der erneut den Titel „Aufatmen“ trägt, umfasst insgesamt 111 Seminare und Tagungen. „Damit“, erklärte Gössling, „sind wir an der äußersten Grenze. Wir müssen auch noch genügend Flexibilität haben für die Buchungen von Zimmern und Tagungsräumen von externen Gruppen.“ Fast ein Viertel der Veranstaltungen ist den Themen Kontemplation und Meditation gewidmet, weitere Schwerpunkte sind Leib- und Atemarbeit sowie Lebensthemen, von Paargruppen über die Klärung von Lebenszielen bis hin zur Trauerarbeit. Viel Bewährtes findet sich, aber auch einige Veranstaltungen, die erstmals in das Programm integriert wurden. Matthias Gössling: „Wir sind auf einem guten Wege, sowohl, was die Kontinuität angeht als auch im Bezug darauf, Neuerungen behutsam aufzunehmen.“
Ein Angebot, das sicherlich aus dem Rahmen fällt, ist die Tagung „Das Schwerste ist die Glaubwürdigkeit – Bild und Selbstbild der politisch Handelnden“ vom 22. bis 24. März 2013. Prominente Politiker wie Erhard Eppler und Erwin Teufel werden dabei über das Entstehen und den Stellenwert der Glaubwürdigkeit von Politikern nachdenken. Weitere neue Seminare sind gemeinsame Zeiten für Großeltern und Enkelkinder sowie für Mütter und Töchter, ein Seminar für evangelische Pfarrer, das sich mit der Evangelischen Messe beschäftigt und ein Seminar, das sich, in Kooperation mit dem AK Leben Tübingen,  dem Tabuthema Selbstmord widmet: Warum konnten wir dich nicht halten? Tage für Trauernde nach einem Suizid.

Die Kirchberger Impulse, die in den vergangenen Jahren einen Austausch für Führungskräfte aus Wirtschaft und Sozialwirtschaft boten, finden einen Nachfolger im Kirchberger Dialog. In Zusammenarbeit mit BruderhausDiakonie und Samariterstiftung stehen sie vom 28. bis 30. Januar 2012 unter dem Motto „Mit Innovation überzeugt handeln.“

Weitere Informationen zum Haus und zum Veranstaltungsplan 2013 finden Sie unter www.klosterkirchberg.de.

Dagmar Kötting
Öffentlichkeitsarbeit Berneuchener Haus Kloster Kirchberg (13.11.2012)