21.11.2013

Jahresausstellung Helmuth Uhrig: „Der Herr hält seinen Bund auch in der Not“ – Hiob und Werke der Glaskunst. (Kopie 1)

v.l.: Matthias Gössling (Geistlicher Leiter BHKK), Otto Klein (Arbeitskreis Uhrig), Dr. Matthias Geiser (Kaufmännischer Leiter und stellvertretender Geschäftsführer am Schwarzwald-Baar Klinikum), Dr. Ingrid Helber (Kuratorin Kunstsammlung Uhrig)

Berneuchener Haus Kloster Kirchberg, Sulz a. N.: Seit dem 17. November ist in der Kunstsammlung Uhrig in der Unteren Scheuer im Kloster Kirchberg die neue Jahresausstellung 2013/2014 zu sehen. Sie trägt den Titel: „Der Herr hält seinen Bund auch in der Not“.
Das Zitat stammt aus einem Brief, den Helmuth Uhrig am 14. Januar 1961 an die Glaswerkstätte Hans Bernhardt in Ravensburg schrieb. Es ging damals um die Gestaltung von drei großformatigen, bunten Glasfenstern für das Krankenhaus in Villingen, die das Kloster Kirchberg nun als Dauerleihgabe vom Schwarzwald-Baar-Klinikum erhalten hat.
Das Zitat trifft aber auch auf „Hiob“ zu. Über den Zyklus mit 15 Federzeichnungen hatte Uhrig ein Jahr lang nachgedacht und sie 1949 in zwei Nächten „niedergeschrieben“. Im Stauda-Verlag Kassel erschien anschließend eine Kunstmappe zu „Hiob“.
Den dritten Teil der Ausstellung bilden weiterhin die von der Öffentlichkeit sehr positiv aufgenommenen „Russischen Impressionen“ im Berneuchener Zimmer. Diese bleiben unverändert angesichts der Tagung „Licht-Leben-Liebe“ vom 11. bis 13. März 2014 zum Theologen und Künstler Kurt Reuber, der unter anderem die „Stalingradmadonna“ geschaffen hat. So können Parallelen und Unterschiede der beiden Künstler erforscht werden.
Der Zyklus „Hiob“ war im Jahr 2002 schon einmal ausgestellt. Da es sich hier um eine wichtige künstlerische und theologische Station innerhalb des Gesamtwerks von Helmuth Uhrig handelt, hat sich der Arbeitskreis zu einer erneuten Präsentation entschlossen. Ende vergangenen Jahres erhielt die Kunstsammlung Helmuth Uhrig von der Reinhold-Beitlich-Stiftung eine Spende, für die wir sehr dankbar sind. Mit dem Geldbetrag war es endlich möglich, neue Rahmen anzuschaffen. Der Zyklus wird nun gerahmt bleiben und kann auf diese Weise auch an Kirchengemeinden oder andere Institutionen zu Ausstellungszwecken ausgeliehen werden.
Als Titelbild unserer Einladung zur Vernissage wählten wir Bild 10 aus. Hiob spricht mit seinen Freunden. „Warum tadelt ihr rechte Rede? Wer ist unter euch, der sie strafen könnte? Darum will auch ich meinem Munde nicht wehren; ich will reden in der Angst meines Herzens und will klagen in der Betrübnis meiner Seele“. (Hiob 6,25 und 7,11). Die Angst, das Klagen und das Hadern führen Hiob schließlich zur Erkenntnis, dass sein Erlöser lebt. In der tiefsten Not in Bild 14 antwortet der Herr aus dem Gewitter. Uhrig entdeckte in diesen Zeichnungen sich selbst und den Menschen seiner Zeit – der des Zweiten Weltkriegs. Uhrigs Fazit war: „Glauben ist ein großes Geschenk.“
Im September des vergangenen Jahres erhielt die Kuratorin der Kunstsammlung Helmuth Uhrig, Dr. Ingrid Helber, einen Anruf der Klinikpfarrerin, es gäbe Glasfenster von Helmuth Uhrig im Klinikum in Villingen. Ein Patient, Pfarrer Huss aus Königsfeld, habe diese erkannt. Die Fenster seien Eigentum der Klinik. Diese errichte aber gerade einen Neubau, in dem die Fenster keine Verwendung mehr finden würden. Die Aussage löste zunächst Erstaunen aus, denn die Fenster waren bisher nicht bekannt und nicht im Werkverzeichnis aufgeführt. In einer Korrespondenzakte gelang es dann eindeutig, die geistige Urheberschaft Uhrigs nachzuweisen. Die übliche gemeinsame Signatur von Helmuth Uhrig und der Glaswerkstätte Bernhardt aus Ravensburg ist auf einem der Glasfenster ebenfalls deutlich sichtbar, wie Arbeitskreismitglieder bei einem Besuch in Villingen feststellen konnten.
Die Verhandlungen hinsichtlich der Übernahme der Fenster als Dauerleihgabe durch das Kloster Kirchberg zogen sich bis in den Sommer dieses Jahres hin. Hier hatte man inzwischen die künftigen Standorte abgeklärt: zwei Fenster kommen in die Kunstsammlung Helmuth Uhrig in die Untere Scheuer, das dritte in Absprache mit dem Landesdenkmalamt in die Katharinenkapelle – das ist der heutige Eingang der Kirche. Schon lange hatte man überlegt, diese ehemalige Kapelle mit einem sehr seltenen Renaissance-Altar, würdiger zu gestalten.
Da die Glasfenster einen stabilen Metallrahmen erhalten hatten, war der Ausbau relativ problemlos. Die Glaswerkstätte VS-Glaserei Ulrich Wentz baute die Fenster am 25. Oktober 2013 aus und transportierte sie auf den Kirchberg. Die Schmiedewerkstatt Schmied aus Sulz stellt die Fenster nach den technischen Vorgaben von Otto Klein auf.
Nun ist das Kloster Kirchberg und die Kunstsammlung Helmuth Uhrig um drei bedeutende Kunstwerke reicher - eine weitere Attraktion für die Besucher. Die Katharinenkapelle kann jeden Tag besucht werden, während die Kunstsammlung nur jeden 1. und 3. Sonntag im Monat geöffnet ist – oder nach Vereinbarung.Mit den Glasfenstern sollten die kranken Menschen Trost erhalten: Der Herr hält seinen Bund auch in der Not. Die Anordnung lautete entsprechend der Hauptmotive ursprünglich: Die Verspottung Christi, der Auferstandene und der Weltenherrscher. „Die Verspottung“ wird in der Katharinenkapelle ausgestellt.

Dr. Ingrid Helber