10.08.2015

„Herr, höre die Stimme meines Flehens“ - Musikalische Vesper in der Kirchberger Johanniskirche

Prof. Markus Köhler

Martin Frieß

„Herr, höre die Stimme meines Flehens“, so der Titel der nächsten Musikalischen Vesper am 30. August um 17 Uhr in der Johanniskirche des Berneuchener Hauses Kloster Kirchberg in Sulz am Neckar.

Gestaltet wird die Vesper vom Bariton Prof. Markus Köhler und Martin Frieß an der Orgel.
Markus Köhler und Martin Frieß konzertieren schon seit Jahren gemeinsam mit ausgesuchten Programmen für Bariton und Orgel. Das letzte Konzert auf dem Kirchberg fand 2011 statt. Die Erlebbarkeit der Musik als Quelle der Freude und des Trostes, die auch über sich hinausweist, ist beiden Künstlern ein zentrales Anliegen.
Bei der Musikalischen Vesper „Herr, höre die Stimme meines Flehens“ werden Werke von Franz Xaver Schnizer (1740-1785), Gottfried Heinrich Stölzel (1690-1749), Carl Löwe (1796-1869) und Franz Liszt (1811-1886) präsentiert sowie liturgische Gesänge von Hildegard von Bingen (1098-1179).

Markus Köhler, geboren in Leipzig, war bis zum Abitur Mitglied des Thomanerchores. Er studierte Gesang in Dresden und Berlin und belegte bereits zum Abschluss seines Studiums den 5. Platz beim Internationalen Robert-Schumann-Wettbewerb. Später war er Preisträger beim Gesangs-Wettbewerb "Das Deutsche Kunstlied - Gesangsduos" des BDI. Markus Köhler belegte Kurse bei Dietrich Fischer-Dieskau und Aribert Reimann, es folgten verschiedene Theater-Engagements,  u. a. an der Berliner Kammeroper und dem Thüringer Landestheater. Neben Auftritten bei verschiedenen nationalen und internationalen Festivals gibt Markus Köhler auch Konzerte im europäischen Ausland, im Nahen Osten und in Asien und arbeitet mit namhaften Ensembles, Dirigenten und Interpreten zusammen. Mit seinem Gesang begeisterte er schon bei zahlreichen Rundfunk- und CD-Aufnahmen, die zum Teil mit Auszeichnungen prämiert sind. Markus Köhler ist Professor für Gesang an der Hochschule für Musik in Detmold und Jury-Mitglied beim DAAD (Abt. Musik) in Bonn. 

Martin Frieß wurde in Stuttgart geboren und absolvierte sein Abitur am Johannes-Kepler-Gymnasium Weil der Stadt mit dem Hauptfach Musik (Klavier). Das Studium für Archivwesen an der FH Marburg schloss er als Dipl.-Archivar ab. Nach einem weiteren Studium an der Hochschule für Kirchenmusik in Esslingen, wo er die B-Prüfung ablegte, wirkte Martin Frieß von 1998 bis 2009 als Kantor an der Stadtkirche Bad Wildbad. Seitdem arbeitet er als Archivar und Kulturverantwortlicher im Landratsamt Calw und engagiert sich als Chorleiter und Organist an der Evangelischen Marienkirche in Baiersbronn. 2011 wurde er in die Evangelische Michaelsbruderschaft aufgenommen und ist Kantor des Konvents Württemberg.

Zu den Werken und Komponisten:

Allegro (1. Satz) aus der Sonate C-Dur für Orgel von Franz Xaver Schnizer
Die Sonate C-Dur ist die erste der sechs Sonaten, die F. X. Schnizer, Benediktinermönch und Organist in Ottobeuren, seinem Abt Honorat Goehl widmete. Sie sind in ihrer Formgebung dreisätzig gehalten: Zwei schnelle Ecksätze umrahmen ein Menuett mit Trio oder einen langsamen Satz. Sie sind im eleganten Stil geschrieben, dessen berühmtester Vertreter Carl Philipp Emanuel Bach ist.

Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir (Arie und Rezitativ nach Ps. 130) von Gottfried Heinrich Stölzel
Gottfried Heinrich Stoelzel, der als Hofkapellmeister in Prag und danach 30 Jahre bis zu seinem Tod in Gotha wirkte, genoss zu Lebzeiten einen ausgezeichneten Ruf als Komponist. Schon bald nach seinem Tod gerieten seine Werke jedoch  in Vergessenheit und erst seit den 1960er Jahren bemüht man sich verstärkt um deren Reanimierung durch Editierung und Aufnahmen. Die ersten Einspielungen erfolgten in den 1990er Jahren und fanden ein überwältigendes Echo beim Publikum und in der Fachwelt. Heut kann man mit Recht darauf hinweisen, dass er neben den bekannten Zeitgenossen Bach, Händel und Telemann als einer der bedeutendsten Komponisten der Barock-Epoche gilt, dessen sehr persönliche Klangsprache hohen künstlerischen Wert verzeichnet.
Der hier vorgetragene Psalm 130 und das Rezitativ sind der im Original für Streichorchester (-quartett) erschienenen Kantate entnommen.

 

3 Stücke von Carl Löwe: Salvum fac regem; Die Uhr (Text: Gabriel Seidel); Hinauf zu jenen Bergen (Text: Wilhelm Telschow)

Der Name Carl Löwe ist ein Synonym für große Balladen in historisierendem Gewand des 19. Jahrhunderts. Dabei kann man unter den ca. 600 Vokalkompositionen  ebenso viele Lieder und auch Musik für den Gottesdienstgebrauch finden, von großen Oratoriumskompositionen ganz abgesehen. Den Hauptteil seiner beruflichen Laufbahn verbrachte er als Musikdirektor und Organist an der Ev. Hauptkirche St. Jacobi in Stettin. Der Umstand, dass Stettin nach dem II. Weltkrieg zu Polen kam und zu 90% zerstört war,  ließ Carl Loewe zwar nicht in Vergessenheit geraten (bedeutende Sänger widmeten sicher immer seinen Liedern und Balladen), wirkte sich aber für eine umfassende Beschäftigung mit seinem Werk an seiner Wirkungsstätte nicht gerade günstig aus. Erst nach der Wende setzte ein verstärktes Interesse, besonders von polnischer Seite ein, sich auf den berühmten Künstler der Stadt zu besinnen, so fand 2015 das erste Internationale-Loewe-Festival in Stettin statt. Von den drei hier vorgetragenen Stücken ist "Die Uhr" die am häufigsten gesungene und populärste Ballade Carl Loewes. Es verbindet sich biedermeierliche Frömmigkeit mit religiöser Innigkeit musikalisch und künstlerisch in einer einfachen aber expressiven Tongebung, wie sie nur bedeutenden Komponisten gelingt.

3 Stücke von Franz Liszt: Sancta Caecilia; Ave Maria; Ave maris stella
Immer mehr wird Liszts geistliches Werk entdeckt, das auch Ausdruck seiner katholisch geprägten Frömmigkeit war. Seine Gesänge sind schlicht und ausdrucksvoll zugleich, oft feierlich und zuweilen geradezu weltentrückt. Der fantasiemächtige und fortschrittsorientierte Anreger der Hochromantik, der Klaviervirtuose und Weltbürger, der Förderer und Lehrer begabter Musiker war Zeit seines Lebens von tiefer Religiosität geprägt. "Mein Hang zum Katholizismus rührt von meiner Kindheit her und ist ein bleibendes und mich beherrschendes Gefühl geworden". In Rom, wo er sich seit den 60er Jahren bis 1870 bevorzugt aufhielt, führte er ein zum Teil mönchisches Dasein im Kloster Maria della Rosario. Neben vielen anderen Gästen besuchte ihn dort  Papst Pio nono. In dieser Zeit entstanden auch "Ave Maria", "Ave maris stella" und "Sancta Caecilia", die in ihrer entrückten Harmonik und religiösen Verklärtheit viel über Liszts Frömmigkeit preisgeben und weit über sacrale Gebrauchsmusik hinausgehen. 1865 erhielt er die niederen Priesterweihen durch Bischof Gustav Adolf von Hohenlohe, trug seit dem den römischen Priesterkragen und nannte sich fortan Abbé Liszt.

3 liturgische Gesänge von Hildegard von Bingen: Unde Quocumque, De Patria und Sed Diabolus (aus der Ursula-Antiphon)Hildegard von Bingen verbrachte die meiste Zeit ihres Lebens im Kloster Rupertsberg in Bingen. Sie gilt als erste Vertreterin der Mystik des Mittelalters.Ihre Werke befassen sich mit Medizin (Naturheilkunde), Musik, Ethik und Kosmologie. 2012 wurde sie durch Papst Benedikt XVI zur "Doctor ecclesiae universalis" erhoben.Unter dem Namen "Symphonia armonie celestium revelationum" sind 77 liturgische Gesänge überliefert, zu denen auch das Ursula-Antiphon gehört.Hildegards Musik zeichnet sich durch weiträumige Tonumfänge und große Intervalsprünge aus und nimmt daher eine Sonderstellung in der Gregorianik ein.