27.05.2020

Gehet hin in alle Welt – Wiedereröffnung nach Corona-Schließung - 20 Jahre Kunstsammlung Helmuth Uhrig

Helmuth Uhrig - Petrus wird aus dem Kerker befreit

Dr. Ingrid Helber, Kuratorin Kunstsammlung Uhrig

Helmuth Uhrig - St. Otmar

An Pfingsten, am 31.5.2020 um 14 Uhr wird auch die Kunstsammlung Helmuth Uhrig im Berneuchener Haus Kloster Kirchberg in Sulz am Neckar wieder ihre Pforten öffnen. Das Virus hat der Kuratorin Dr. Ingrid Helber und dem Arbeitskreis Helmuth Uhrig einen Strich durch die Planungen des Jubiläumsjahrs gemacht. Doch nun soll die neu aufgebaute Ausstellung zum Thema „Missionsbefehl an die Jünger“ planmäßig eröffnet werden. Allerdings gibt es aus Gründen der Hygiene keine Vernissage und die Museumsaufsicht wird sich genau an die Vorschriften mit Desinfektion, genügend Abstand und Mundschutz halten. Aber alle können es kaum erwarten, dass es wieder losgeht.

Im Winter hatten sich Otto und Anne Klein, Ulrich Koring und Dr. Ingrid Helber an die Neuorganisation der Archivschränke und die neue Inventarisation gemacht. Dabei standen die Glasfensterentwürfe an erster Stelle. Schnell bemerkte man, dass die „Kirche zu den zwölf Aposteln in Hinterzarten“ nicht nur optisch, sondern auch thematisch einiges zu bieten hat. In der quer ausgerichteten Kirche mit dem Altar an der langen Seite gibt es vier große Glasfenster mit jeweils 28 Motiven. Zusammen sind es 112 Motive. Jeweils ein Fenster ist den bekannten Aposteln Petrus, Paulus und Johannes gewidmet. Hier findet man nicht nur die Bibel als Quelle, sondern auch den mittelalterlichen Bestseller „Legenda Aurea“, die Goldene Legende in der Art eines Heiligenlexikons. Neben bekannten Darstellungsformen wie der Kreuzigungsgruppe mit Johannes und Maria gestaltete der Künstler die Legende von „Johannes und dem Räuber“, der ähnlich wie das verlorene Schaf wiedergefunden und auf den richtigen Weg gelenkt wird. Aus dem Räuber wird schließlich ein Bischof.
Das vierte Fenster zeigt den Lauf des Evangeliums durch die Welt. Apostel Andreas wirkte in Russland, Thomas in Indien, Philippus in Afrika, Simon in Persien und Bartholomäus in Armenien. In diesem Fenster sollte auch der regionale Bezug hergestellt werden mit den mittelalterlichen Missionaren St. Martin, St. Kolumban, St. Gallus, St. Pirmin und St. Otmar, letztere bekannte Kloster- und Kirchengründer in Südwestdeutschland. Die Fenster werden dann weitergeführt zur Reformation mit Martin Luther und Philipp Melanchton. Das theologische Programm entwickelten um 1963 der damalige Lehrer von Hinterzarten D. theol. Jörg Erb, der Pfarrer Herbert Fischer und der Künstler Helmuth Uhrig in ständiger Diskussion. Das hat sich auch in der Korrespondenzakte niedergeschlagen. Zur Aussendung der Jünger hängt in der Kunstsammlung auch ein großformatiger Entwurf wohl für eine Emporenbrüstung mit grau-weißen Figuren auf blauem Hintergrund des Himmels.
Als Ergänzung wählte der Arbeitskreis Zeichnungen zu den schwarz-weißen Glasfenstern der Lukaskirche in Köln Porz aus. Dort verzichtete der Künstler auf mehr Farbe, um die Gemeinde mit den Seitenfenstern des Kirchenschiffes nicht zu „erschlagen“. Hier passt das Thema Pfingsten mit der Ausgießung des Heiligen Geistes und der Erinnerung an die Gründung der christlichen Kirche zur Wiedereröffnung nach der Pandemie. 

Dr. Ingrid Helber

 

Die Jahresausstellung „Christus spricht: Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium - Der Missionsbefehl und der Lauf des Evangeliums durch die Welt“ in der Kunstsammlung Helmuth Uhrig im Berneuchener Haus Kloster Kirchberg in Sulz am Neckar ist am Pfingstsonntag und -Montag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Bis Dezember kann die Ausstellung jeden 1. und 3. Sonntag im Monat jeweils von 14 bis 17 Uhr besucht werden. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.