05.10.2012

Freiwillige Erntehelfer unterstützen Mostaktion im Berneuchener Haus

Bereits zum zweiten Mal fand, am 1. und 2. Oktober, im Berneuchener Haus Kloster Kirchberg in Sulz am Neckar eine Mostaktion statt.

Mit von der Partie beim Baumschütteln, Äpfelauflesen und Versaften waren neben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Hauses wieder fleißige, freiwillige Helfende und erstmals auch Mitarbeitende des gemeinnützigen Unternehmens ARBEG aus Wernau.
1988 mit acht Mitarbeitern als Integrationsbetrieb gegründet, beschäftigt die ARBEG, der Name steht für Arbeits- und Begegnungsstätten gGmbH, heute in den unterschiedlichsten Bereichen - Produktion und Montage, Herstellung von Dekorations- und Geschenkartikeln sowie von maßgefertigten Rahmen, Medienteam, Landwirtschaft -  rund 300 Menschen und bietet so Langzeitarbeitslosen, Menschen mit Handicaps und psychisch erkrankten Menschen einen Arbeitsplatz, ein soziales Umfeld und eine Tagesstruktur. Neben der Stamm-Werkstatt in Wernau gibt es eine Außenstelle in Nürtingen, außerdem den Biolandbetrieb „Ziegenhof Domäne Weil“ in Ostfildern. Dazu kommen Angebote für Ergotherapie, ein Wohnheim, ambulantes betreutes Wohnen, eine Tagesstätte sowie ein Sozialdienst.
16 Mitarbeitende der ARBEG – eine Frau und 15 Männer – sowie zwei Begleiterinnen und ein Begleiter hatten sich am 1. Oktober auf den Weg zum Kirchberg gemacht, um ihren Arbeitsplatz in der Werkstatt mit den Gärten und Ländereien rund um das Berneuchener Haus zu tauschen. „Ich bin durch den Newsletter des Kirchbergs auf die Mostaktion aufmerksam geworden und dachte mir: Mensch, da machen wir mit“, erzählt Marianne Hertle, Geschäftsführerin der ARBEG, die das Berneuchener Haus als Ort der Stille und zum Kräfte sammeln in den vergangenen Jahren schätzen und lieben gelernt hat. „So etwas Schönes wie den Kirchberg sollen unsere Mitarbeitenden auch kennen lernen dürfen. Das ist doch mal etwas anderes als Industriehallen.“
Bei Lothar Hölzle, kaufmännischer Leiter auf dem Kirchberg und Initiator der Mostaktion, stieß die Bewerbung der ARBEG gleich auf Gegenliebe: „Wir freuen uns, wenn wir Unterstützung bekommen und anderen dafür eine Freude machen können. Letztes Jahr war es die Grundschule Fischingen, diesmal die ARBEG.“
Zwei Tage lang halfen die die ARBEG-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Apfelernte und beim Mosten, bekamen dafür im Gegenzug Unterkunft und Verpflegung sowie einen Blick hinter die Kulissen des ehemaligen Klosters. Schließlich war der Kirchberg für fast alle schaffenden Gäste ein bisher unbekanntes Fleckchen Erde.
Am ersten Tag legte sich das vielköpfige Erntehelferteam mächtig ins Zeug und so konnte bald vermeldet werden: alle Äpfel eingesackt. „Es waren auf unserem Areal in diesem Jahr weniger Äpfel als im vergangenen“, berichtete Lothar Hölzle. „Außerdem sammeln wir nur beste Qualität ohne faule Stellen. Schließlich heißt unser Saft Kirchberger Apfelgold und nicht –silber.“
Dass es heuer trotzdem ein saftiges Rekordergebnis zu vermelden gab, dafür sorgte nachbarschaftliches Engagement. Lothar Hölzle: „Ein besonderes Dankeschön geht an unsere Nachbarn, die Landwirtsfamilie Weiler, die uns ihre Apfelbäume zum Abernten zur Verfügung gestellt haben. Ihnen ist es mit zu verdanken, dass wir unsere Erträge vom letzten Jahr noch überflügeln konnten. Und mit unserem freiwilligen Erntehelferteam hatten wir wirklich eine super Truppe zusammen, die wie wild gearbeitet hat.“
Nach getaner Arbeit gab es am Abend des ersten Tages ein gemütliches Beisammensein. Dabei erfuhren die ARBEG-Gäste mehr über das ehemalige Dominikanerinnenkloster und heutige Tagungs- und Einkehrhaus sowie über die Berneuchener Gemeinschaften und die Kirchberger durften sich am köstlichen Gastgeschenk laben, Ziegenkäse von der Domäne Weil.
„Ich finde es gut, dass es so etwas wie das Haus hier gibt und es ist eine schöne Abwechslung für uns“, resümierte einer der ARBEG´ler. Seine Kollegin, die sonst im Lager arbeitet, hält den Arbeitsausflug für eine „super Idee“: „Es ist ganz toll, dass wir hier sein können. Ich mag es aktiv zu sein und draußen an der frischen Luft. Ich genieße es hier und ein bisschen Arbeit gehört für mich immer dazu.“
Vita Rittenauer, Leiterin der Wernauer ARBEG-Werkstatt, war ebenfalls von Beginn an begeistert von der landwirtschaftlichen Arbeitsexkursion auf den Kirchberg. Gerade weil für die Mitarbeitenden Veränderungen im Tagesablauf oft schwierig sind, da der Alltag dadurch seinen Rhythmus verliert, erwies sich die feste Tagesstruktur auf dem Kirchberg mit den Tagzeitengebeten und den festen Mahlzeiten als ausgesprochen positiv: „Der Kirchberg hat ein beruhigendes Ambiente und das hat auf unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgestrahlt.“
Apropos Strahlen: ein solches hatte auch Lothar Hölzle auf dem Gesicht, als er am 2. Oktober, nachdem alle Äpfel in der mobilen Mosterei im Klosterhof versaftet waren, das  Ergebnis der diesjährigen Mostaktion bekannt gab: 3.235 Liter Saft aus 4.621 Kilo Äpfeln. Im letzten Jahr waren es nur 2285 Liter gewesen.
Wer das Kirchberger Apfelgold probieren und kaufen möchte, hat dazu bei einem Aufenthalt im Berneuchener Haus sowie in der Klosterschenke und im Klosterladen Gelegenheit. Und wessen Lust auf Kirchberger Äpfel damit nicht gestillt ist, der findet im Klosterladen auch noch den süßen Bratapfelbrotaufstrich.

Dagmar Kötting
Öffentlichkeitsarbeit Berneuchener Haus Kloster Kirchberg