21.06.2012

Euphemia im Haus der Geschichte

Eine Reliquie auf Reisen

Kirchberger Euphemia wird Ausstellungshighlight 
im Stuttgarter Haus der Geschichte

Die Schädelreliquie der Euphemia, die seit dem Jahr 1564 im Kloster Kirchberg in Sulz am Neckar verwahrt wurde, wird künftig die neugestaltete Religionsabteilung des Stuttgarter Hauses der Geschichte zieren. Am 21. Juni wurde die Glasvitrine mit dem kunstvoll verzierten Schädel von einem Mitarbeiter des Hauses der Geschichte abgeholt und an ihren neuen Bestimmungsort chauffiert.

Schon zu Lebzeiten - wenn man denn den Legenden glauben mag, dass Euphemia tatsächlich lebte - hat die junge Frau große Reisen hinter sich gebracht. Angeblich als Tochter des englischen Königs Eduard III. in den 30´er Jahren des 14. Jahrhunderts geboren, verweigerte Euphemia die Hochzeit mit einem mächtigen Fürsten und wollte stattdessen als ewige Gemahlin Jesu leben. So flüchtete die junge Frau über das Meer bis nach Köln, wo sie in einem Spital arbeitete. Zu Unrecht des Diebstahls bezichtigt, landete sie am Pranger und wäre dabei fast von Reitern entdeckt worden, die ihr Vater auf die Suche nach der verschollenen Tochter ausgesandt hatte. Erneut flüchtete Euphemia und bat in einem Dominikanerinnenkloster in Pforzheim um Bleibe und Arbeit. Zuerst fand sie Beschäftigung als Wäscherin und wurde später in den Orden aufgenommen. Erst bei ihrem Tod wurde ihre königliche Herkunft bekannt und ihre Mitschwestern verehrten sie fortan als heiliges Vorbild für Tugend und Barmherzigkeit. Auch zahlreiche Wunder werden Euphemia zugeschrieben.

Ihre vorerst letzte große Reise trat Euphemia rund 300 Jahre nach ihrem Tod, anno 1564, an, als sie im Gepäck von 39 Dominikanerinnen von Pforzheim auf den Kirchberg gebracht wurde. Nachdem Pforzheim evangelisch geworden war, hatten die Schwestern ihr Kloster verlassen müssen und auf dem Kirchberg ein neues Zuhause gefunden. Bis 1806, als das Kloster in Folge der napoleonischen Kriege säkularisiert wurde, wurde Euphemia von ihren Mitschwestern und den Gläubigen verehrt.

Obwohl viele Besitztümer und Schätze der Nonnen vom Kirchberg verschwanden,  blieb die Schädelreliquie der Euphemia immer im ehemaligen Kloster und wird seit dem Jahr 1958 von den Berneuchener Gemeinschaften gehegt und gepflegt. In einem großen öffentlichen Rahmen wurde Euphemia nie gezeigt, nur manchmal bei Klosterführungen war sie zu sehen. Dass sie nun im Stuttgarter Haus der Geschichte zu sehen sein wird, ist, wie Historiker Rainer Linder sagt, einem glücklichen Zufall zu verdanken. Zum 25-jährigen Jubiläum des Hauses waren die Museumsmacher auf der Suche nach neuen Ausstellungsstücken für eine Neugestaltung der Religionsabteilung. So fragten sie auch im Berneuchener Haus Kloster Kirchberg an, ob es dort geeignete Objekte gäbe und wurden mit der Schädelreliquie fündig. Rainer Linder: „Die Euphemia wird ein Highlight der neu konzipierten Ausstellung über die Religionsgeschichte der letzten 200 Jahre im Südwesten sein und ist sicher auch eines unserer ältesten Ausstellungsstücke mit einem enormen Schauwert. Dazu kommt die abenteuerliche Legende, die sich um das Leben der Euphemia rankt und die man den Besuchern im Haus der Geschichte erzählen kann.“

Bevor die Euphemia jedoch am 21. Juni, wohl verpackt und angeschnallt in einem Auto, auf den Weg nach Stuttgart gebracht werden konnte, mussten die Museumsmacher noch einige bürokratische Hürden meistern. Das Land Baden-Württemberg als Eigentümer der Reliquie musste seine Zustimmung zur Entleihung auf fünf Jahre geben und auch die katholische Kirche wurde befragt, ob ein Transport so ohne weiteres möglich sei. Nach der Einverständniserklärung des zuständigen Weihbischofs wird Euphemia nun ab dem 12. Juli im Haus der Geschichte zu bestaunen sein.

Pfarrer Matthias Gössling, der Geistliche Leiter des Berneuchener Hauses Kloster Kirchberg, in dessen Obhut sich Euphemia bisher befand, sieht den Umzug der Reliquie positiv: „Ich finde es schön, dass Euphemia soviel Aufmerksamkeit geschenkt wird. Im Haus der Geschichte wird sie vielen Menschen zugänglich sein und damit wird auch die Geschichte unseres Hauses, des Berneuchener Hauses Kloster Kirchberg, ein Stück weit dokumentieren.“

Unter den ersten Besuchern, die Euphemia an ihrem neuen Bestimmungsort anschauen können, werden auch die Bischöfe Otfried July und Gebhard Fürst sein, wenn sie am 12. Juli der feierlichen Eröffnung der neu konzipierten Ausstellung der Religionsgeschichte im Haus der Geschichte beiwohnen werden.

Dagmar Kötting
Öffentlichkeitsarbeit Berneuchener Haus Kloster Kirchberg