07.11.2018

Es kann losgehen! Baubeginn und Jahrespressegespräch auf dem Kirchberg

Pfarrer Matthias Gössling, Lothar Hölzle und Josef Wilhelm Maria Simmes (v. links) in der Oberen Scheuer

„Baubeginn in der Oberen Scheuer - endlich!“ Dieser Satz war auf dem Handout zu lesen, das der kaufmännische Leiter des Berneuchener Hauses in Sulz, Lothar Hölzle, am 7. November anlässlich des Jahrespressegespräches und des Starts der Baumaßnahmen an der Oberen Scheuer im Kloster Kirchberg vorbereitet hatte. Endlich, denn zwischen den ersten Studien zum Umbau des Lagergebäudes zu neuen Räumlichkeiten für Tagungen, Meditation und die Kunstsammlung Helmut Uhrig und der tatsächlichen Realisierung des Projektes liegen 14 Jahre. „Es gab immer wieder Verzögerungen“, so Hölzle. „Das Genehmigungsverfahren war langwierig, es gab immer neue Nachträge aufgrund verschiedenster Auflagen, insbesondere durch den Denkmalschutz, und die Finanzierung war natürlich auch nicht einfach zu stemmen.“ Die Kostenberechnung des Projektes sieht 2,2 Millionen Euro vor, knapp zwei Millionen stehen. Das Geld für das ehrgeizige Projekt kommt aus vielen Töpfen. Je 300.000 Euro kommen von der Evangelischen Landeskirche Württemberg, der Deutschen Fernsehlotterie und einer Klosterstiftung. Auch ein privates Darlehen über 100.000 Euro, Beiträge der Berneuchener Gemeinschaften, die auf dem Kirchberg ihr geistliches Zentrum haben sowie viele kleine und große Spenden machen es möglich, dass die Handwerker am 7. November nun endlich loslegen konnten. Und nach wie vor, so Lothar Hölzle, ist man auf die Spendenbereitschaft der Freunde und Förderer angewiesen. Wenn alles gut läuft, dann wird die Einweihung Ende Juni 2020 stattfinden. „Vielleicht auch schon an Ostern“, zeigt sich Josef Wilhelm Maria Simmes optimistisch. Der erfahrene ehemalige Architekt hat im Ehrenamt die Projektsteuerung der Baumaßnahmen übernommen. Gemeinsam mit dem Büro Kuner Architekten aus Furtwangen, die das neue Tagungshaus im alten, denkmalgeschützten Gemäuer von 1808 entworfen haben, kümmert er sich bereits seit August um das Projekt. „Ich finde es spannend, aus einem Lagerraum ein Tagungshaus zu machen. Das Projekt ist beachtenswert, da kann ich als Architekt nur den Kollegen gratulieren. Das wird ein Kleinod!“ Bis es soweit ist, haben die Architekten und Handwerker einiges zu bewältigen. Dort, wo heute nur schwache Balken sind, wird eine Decke eingezogen, die später viele Tonnen Last tragen soll. Das denkmalgeschützte Holztragwerk wird nur da erneuert, wo es schadhaft ist. In der Vergangenheit entfernte Streben müssen wieder eingesetzt, Stahlträger für die Statik eingesetzt und gleich zu Beginn muss das Holztragewerk über eine Hebebühne angehoben werden. Das sind die spannenden Sachen“, sagt Projektsteuerer Simmes mit einem Lachen, „die uns Architekten Spaß machen.“
Den möglichen Störungen durch die Bauarbeiten sieht man auf dem Kirchberg relativ gelassen entgegen. Eindeutig lauter wird es jedoch durch eine weitere, dringend notwendige Baumaßnahme werden: Die Sanierung des Abwassersystems vor dem Konventgebäude wird 2019 fortgeführt, dafür sind aufwändige Grabungsarbeiten notwendig, diese sollen aber binnen weniger Wochen erledigt sein. Aktuell läuft auf dem Kirchberg noch die Sanierung der hauseigenen Kläranlage; die vom Land durchgeführten Arbeiten zur Hangsicherung beim Rossstall wurden in den letzten Wochen - im zweiten Anlauf - erfolgreich abgeschlossen.

In seinem Rückblick auf das Jahr 2017 und die vergangenen Monat des noch laufenden Jahres äußerte sich Lothar Hölzle positiv. „Es zeigt sich immer mehr der Trend, dass die Belegung unseres Tagungshauses im Sommer schwächer und der Herbst stark ist. In 2017 haben wir den Plan von 17.500 Übernachtungen um 79 überschritten. Stand heute liegen wir bereits mit 217 Übernachtungen über dem Plan.“ Und das, obwohl das erste Halbjahr 2018 schlecht lief und die Auslastung erst im dritten Quartal anzog. Die durchschnittliche Verweildauer der Gäste auf dem Kirchberg hat sich bei 2,5 Tagen stabilisiert, nachdem sie zuvor über mehrere Jahre rückläufig war. Bei den Gastgruppen aus der Wirtschaft muss das Tagungshaus zwar einen leichten Rückgang hinnehmen, dafür gibt es starke Zuwächse bei den Gästen der hauseigenen Veranstaltungen sowie aus dem kirchlichen und gemeinnützigen Bereich. Für 2017 konnte der Kirchberg ein Plus von 12.000 Euro erwirtschaften, für 2018 rechnet Lothar Hölzle mit einem ausgeglichenen Haushalt.

Positiv ist auch die Entwicklung bei den Mitgliederzahlen des Vereins Berneuchener Haus e.V. In den Jahren 2017 und 2018 stiegen diese auf aktuell 574 an und das, obwohl es zahlreiche Mitgliederverluste durch Tod gegeben hat. „Ein Grund für die Zunahme der Mitgliederzahlen“, erklärt Lothar Hölzle, „ist das Kolumbarium.“ Nur Vereinsmitglieder können in dieser Urnenbegräbnisstätte beigesetzt werden. Im Juni 2017 eingeweiht, fanden dort bisher zwei Vereinsmitglieder ihre letzte Ruhestatt. Zwei Drittel der 96 Plätze sind bereits reserviert.

Der geistliche Leiter des Berneuchener Hauses, Pfarrer Matthias Gössling, lieferte in seinen Ausführungen Details zu den hauseigenen Veranstaltungen. Von den 114 Veranstaltungen für 2018 mussten nur 13 abgesagt werden, davon vier wegen Erkrankung der Referenten. Im Vergleich mit anderen Häusern sei das durchschnittlich. „Mehr Veranstaltungen sind nicht möglich“, so Gössling. „Wir müssen Kapazitäten frei halten für externe Gruppen. Trotzdem bieten wir ein breit gestreutes Angebot. Unser Schwerpunkt liegt zwar auf Stille und Meditation, aber nur darauf wollen wir uns nicht konzentrieren, sondern ein vielfältiges Programm anbieten, vom Hand auflegen im Gebet bis zum Motorradwochenende.“ Beides findet sich tatsächlich im jüngst veröffentlichten Jahresprogramm für 2019. Dazu kommen weitere neue Seminare wie beispielsweise ein MBSR Kompaktkurs über vier Termine, bei dem Achtsamkeit intensiv eingeübt wird. Tradition haben die verschiedenen Tanz- und Chorangebote und der Erlebnissommer für Familien und Alleinstehende. Die Reihe der Symposien wird fortgesetzt, das Thema „Religion und Heimat“ ist neu, die Veranstaltungen „Religion und Heilung“ sowie „Religion und Meditation“ finden eine Fortführung. Zu letzterem gibt es das Angebot einer 15-tägigen Reise nach Ladakh, die vom Reiseunternehmen NeueWege organisiert wird.