19.11.2012

Eröffnung der Uhrig-Jahresausstellung 2012

Arbeitskreis Uhrig (v.l.): Brigitte Vosseler, Otto Klein, Matthias Gössling, Monika Naidu, Dr. Ingrid Helber, Adolf Klek, Annemarie Klein

Kuratorin Dr. Ingrid Helber vor dem Gobelin "Besuch bei Maria und Martha"

Kirchberger Flötenensemble vor Glasfensterentwürfen Helmuth Uhrigs

„Szenen aus dem Leben Jesu“ und „Russische Impressionen“.
Neue Uhrig-Ausstellung zeigt breites künstlerisches Spektrum

Seit dem 18. November ist im Berneuchener Haus Kloster Kirchberg in Sulz am Neckar die neue Jahresausstellung mit Werken des Künstlers Helmuth Uhrig zu sehen. Die Präsentation in der Unteren Scheuer von Kloster Kirchberg zeigt Szenen aus dem Leben Jesu sowie Russische Impressionen.

Seit dem Jahr 2000 vermittelt die Kunstsammlung Helmuth Uhrig einen Überblick über das Lebenswerk des Bildhauers, Malers, Glasmalers und Mosaikkünstlers. Helmuth Uhrig (1906 - 1979) hinterließ ein umfangreiches künstlerisches Lebenswerk und machte sich vor allem im Bereich der christlichen Kunst des 20. Jahrhunderts einen Namen. Der in Heidenheim an der Brenz geborene Künstler war Mitglied der Evangelischen Michaelsbruderschaft, nach seinem Tod kam sein künstlerischer Nachlass deshalb ins Berneuchener Haus Kloster Kirchberg, das geistliches Zentrum der Bruderschaft ist.
„Der bedeutendste Nachlass verliert aber gleichsam an Wert, wenn er nicht dafür zur Verfügung steht, wofür er geschaffen wurde. Als Kunst, die Menschen anstößt, berührt, anrührt – auf ganz unterschiedlichen Ebenen“, so der geistliche Leiter des Berneuchener Hauses, Pfarrer Matthias Gössling, in seinen Begrüßungsworten. „Bildende Kunstwerke wollen ausgestellt und betrachtet werden und nicht in Magazinen oder Schränken ruhen.“
Dank des Arbeitskreises Uhrig und der betreuenden Kuratorin Dr. Ingrid Helber gelingt es jedes Jahr wieder, bisher kaum präsentierte und lange in den Archiven ruhende Werke der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und immer wieder neue Aspekte des Schaffens Helmuth Uhrigs aufzuzeigen.

Der erste Teil der neuen Ausstellung widmet sich in ausgewählten Werken dem Leben und Wirken Jesu und verdeutlicht mit Bildhauerarbeiten, Entwürfen von Glasfenstern, textilen Werken sowie Zeichnungen das breite künstlerische Spektrum des Künstlers Helmuth Uhrig.
Ausstellungskuratorin Dr. Ingrid Helber nahm in ihren einführenden Worten Bezug auf die verschiedenen Arbeiten und veranschaulichte deren Bedeutung sowie die Entstehungsgeschichte. “Uhrig verwendete in seinen Werken auch immer Farbsymbolik“, so Ingrid Helber über die Zeichnung „Hochzeit zu Kana“. „Dargestellt im Zentrum der Zeichnung ist Maria, nicht wie allgemein üblich blau gewandet, sondern in irdisches Grün gehüllt. Die Hochzeitsgesellschaft ist mit Rot gekennzeichnet als Symbol des Heiligen Geistes oder für das Wirken Jesu.“ Auffallend sind in der Ausstellung wieder einmal die vorherrschenden Blautöne. Das Leben Jesu spielt sich symbolisch gesehen vor dem „himmlischen“ Hintergrund ab. Besonders gerne nutzte Helmuth Uhrig das Blau in seinen Glasfenstern, einige farbkräftige Entwürfe zu diesen filigranen Kunstwerken sind in der Präsentation zu sehen und erzählen von verschiedenen Taten der Barmherzigkeit Jesu.
Ein Werk Helmuth Uhrigs, das aus konservatorischen Gründen – die UV-Strahlen schaden den Naturfarben – schon lange nicht mehr gezeigt wurde und nun die neue Kirchberger Präsentation schmückt, ist ein Wandbehang aus dem Elisabethenstift Darmstadt. Das Kunstwerk ist in aufwändiger Gobelintechnik gearbeitet und zeigt einen Besuch Jesu bei Maria und Martha.

Der zweite Teil der Ausstellung ist jenen Arbeiten gewidmet, die Helmuth Uhrig von seinem Kriegseinsatz in Russland und der Ukraine mitbrachte. In den Jahren 1942 und 43 war der Künstler dort als Rot-Kreuz-Soldat in der Verwundetenbetreuung tätig. Während seines Einsatzes führte er immer kleine Skizzenblöcke, Malstifte und Aquarellfarben mit sich, sogar auf Feldpostkarten fertigte er seine Zeichnungen, die fast immer eine Welt zeigen, die vom Krieg noch nicht zerstört ist. Mit dem Bleistift konzentrierte sich der Künstler auf Umrisszeichnungen, die farbigen Aquarelle sind teils schnell hingeworfene Skizzen, haben teils aber auch fein ausgearbeitete Details.  Helmuth Uhrig hielt alte und junge Menschen fest, Mütter mit Kindern in Gärten, Theaterkünstler aus Lemberg in volkstümlichen Trachten, dörfliche Situationen, aber auch immer wieder die Zerstörungen des Krieges.
Aus den Aufzeichnungen Helmuth Uhrigs: Es kommt ganz von innen. Ein fester Block. Feine leichte Linien. Wie Wolken. Ich schlafe halb und zeichne. Es zeichnet. Der Stift gleitet leicht über die Fläche wie ein Segel.
„Zu diesen Skizzen“, berichtet Ingrid Helber, „passen auch die beeindruckenden, aus Ton gestalteten Figurinen. Eine Krankenschwester versorgte Uhrig damals mit Ton. Mehr oder weniger unbeschadet haben diese kleinen Kunstwerke die lange Reise nach Stuttgart und den Krieg überstanden.“
Weitere Eindrücke vom Aufenthalt Uhrigs in Russland geben die Schwarz-Weiß-Fotografien, die Uhrig wohl selbst fotografierte und die sich in einem der vielen Sammelordner auf dem Kirchberg fanden.

Umrahmt wurde die Vernissage vom Kirchberger Flötenensemble, das die Gäste mit verschiedenen Werken, unter anderem von Girolamo Frescobaldi, auf eine musikalische Reise in die Zeit der Reformation mitnahm.

Zu sehen ist die Ausstellung in der „Unteren Scheuer“ im Berneuchener Haus Kloster Kirchberg in Sulz/Neckar von März bis Dezember jeweils am 1. und 3. Sonntag eines Monats von 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung.

Dagmar Kötting
Öffentlichkeitsarbeit Berneuchener Haus Kloster Kirchberg