31.10.2016

Ein herzergreifendes Stück Musikgeschichte - Pergolesis „Stabat mater“ auf dem Kirchberg

Am 20. November gastieren die beiden Sängerinnen Merlind Witte (Sopran) und Heike Wössner (Alt) zur Kirchberger Klostermusik im Berneuchener Haus in Sulz am Neckar. Gemeinsam mit dem Streicherensemble „Saitenwirbel“ aus Rottweil präsentieren sie in der Kirchberger Johanniskirche Giovanni Battista Pergolesis „Stabat mater“.

Giovanni Battista Pergolesi komponierte das „Stabat mater“ mit letzter Kraft auf seinem Sterbebett. Das Ende seines kurzen Lebens verbrachte er in einem Franziskaner Kloster in der Nähe von Neapel. Im Alter von nur 26 Jahren erlag er am 16. März 1736 seiner Krankheit, vermutlich Tuberkulose.
Den Auftrag für die Komposition erhielt er, wie zuvor auch schon Alessandro Scarlatti (1660-1725), von einer adeligen Bruderschaft von der Schmerzensreichen Mutter. Bestimmt war das „Stabat mater“ zur Aufführung bei den Gottesdiensten an allen Freitagen im März.
Der Text des „Stabat mater“ ist ein Zeugnis der spätmittelalterlichen Blüte religiöser Dichtung in Mittelitalien. Der Auftrag an Scarlatti und später Pergolesi, für die volkstümliche Andacht eine Vertonung zu liefern, zeigt die Entwicklung dieser Andacht hin zu einer musikalischen Veranstaltung. Die Vorgabe der Besetzung mit nur zwei Sängern(Kastraten oder Sängerinnen), bezeugt die Sparsamkeit der Bruderschaft, ist aber auch bezeichnend für den intimen Charakter der Andacht.
Pergolesi hatte sich schon wenige Jahre nach dem Verlassen des Konservatoriums als Repräsentant des neuen musikalischen Stils Neapels profiliert. Für den jungen Komponisten war es eine ehrenvolle, aber auch anspruchsvolle Aufgabe, zu der Komposition des Altmeisters (Scarlatti) in Konkurrenz zu treten.
In seiner Vertonung des „Stabat mater“ ist das Vorbild Scarlattis zwar offensichtlich, aber die Konzeption beider Komponisten ist durchaus verschieden. Scarlatti fasst den Text als eine dramatische Vorlage auf und vertont ihn mit hochbarocker Emphase. Pergolesis Komposition fußt auf dem ästhetischen Prinzip der gegensätzlichen Beleuchtung. Sie erscheint als eine Folge von Bildern, von Betrachtungen.
Pergolesis „Stabat mater“ drang sogleich über die Andachten der neapolitanischen Bruderschaften hinaus und war wenige Jahre später in der ganzen musikalischen Welt bekannt, ungeachtet aller konfessioneller Grenzen. Kein anderes Musikstück wurde im 18. Jahrhundert so häufig gedruckt und abgeschrieben.
Pergolesis „Stabat mater“ wurde zum Idealtypus religiöser Musik in der aufsteigenden bürgerlichen Musikkultur und zum Inbegriff des neuen, empfindsamen Stils. Kaum ein anderes Werk der Musikgeschichte hat eine solche Wirkung gehabt.

Auch die Sopranistin Merlind Witte und die AltistinHeike Wössner begeistern sich schon lange Zeit für das „Stabat mater“ von Pergolesi. Im Frühling dieses Jahres gingen sie auf die Suche nach einem Streichquartett und wurden in der Rottweiler Musikschule fündig. Der Geigenlehrer Daniel Kübler fing sofort Feuer und begann mit vier Schülerinnen ein Quartett zu gründen, das sich nun „Saitenwirbel“ nennt. Dahinter verbergen sich Pauline Schulte Ebbert (Violine 1), Anna Hahn (Violine 2), Sophie Baumann (Viola) und Salome Hoffmann (Cello). Zudem begleitet Daniel Kübler das Ensemble am Cembalo. Gemeinsam freuen sie sich darauf, diese empfindsame, das Herz ergreifende Musik leben zu lassen!

Die Kirchberger Klostermusik mit Pergolesis „Stabat mater“ am 20. November in der Johanniskirche vom Berneuchener Haus Kloster Kirchberg beginnt um 16 Uhr.
Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.