07.08.2017

„Die beste Zeit im Jahr ist mein…“ - Erlebnissommer im Kloster Kirchberg

Mit Schmackes haut Ulrike das Schlageisen auf das Weidengeflecht, das später einmal ein dekoratives Blatt für ihren Balkon werden soll. Dann nimmt sie das nächste Stück Weide und schlängelt es um das Gerüst. Gar nicht so einfach, denn das Stück Natur zeigt sich widerspenstig und fordert von seiner Bearbeiterin volle Konzentration. „Es ist schon schwierig und anstrengend“, berichtet Ulrike, die gemeinsam mit ihrer Mutter Irmgard Teilnehmerin beim Erlebnissommer im Kloster Kirchberg ist und den Workshop Weidenflechten besucht. „Es fehlt die Übung und die Kraft in den Fingern.“ Auch Elisabeth, deren großer Korb schon fast bis zum oberen Rand fertig gearbeitet ist, hat Kraftprobleme. Sie ruft Rena um Hilfe. Sie ist Meisterin im Flechtwerkgestalterhandwerk, leitet den Kurs und erklärt, assistiert und empfiehlt Tricks, wo sie kann. „Rena macht das toll“, weiß Ulrike. „Sie hat eine super Art zu erklären, hilft an der richtigen Stelle und ist geduldig“. Rena kontert: „Es sind auch sehr gelehrige Schülerinnen und Schüler, sehr arbeitsam, sehr wissbegierig.“  Und sehr hilfsbereit noch dazu, und so erklärt Irmgard dem Hahn im Korb, Rolf, eine ganz spezielle Flechttechnik, die sie schon am ersten Tag des Kurses von Rena gelernt hat. Fünf Tage dauert der Kurs insgesamt, genügend Zeit, um verschiedene Geflechte - vom Rankgerüst über eine Weidenkugel oder ein Tablett bis zum Korb - zu realisieren. Angelika, die zum ersten Mal den Kirchberg besucht, hat sich zum Beispiel für einen Korb mit Holzboden entschieden, den sie zuhause für ihre Malutensilien verwenden will. Fast schon meditativ geht es zu bei der gemeinsamen Arbeit im Schatten der Bäume vor der Kirchberger Ackerbauschule; aber es wird auch viel gelacht und erzählt.

Drinnen im Gebäude ist gerade eine weitere Gruppe des Erlebnissommers dabei, sich mit dem Thema Zeit in der Bibel zu beschäftigen. Zwei Männer und zwei Frauen lesen sich gegenseitig ihre liebsten Bibelstellen zu diesem Thema vor und sie beschäftigen sich damit, was Zeiträuber sind, wo wir Zeit verlieren, wie Zeit wahrgenommen wird, dass sie endlich ist und dass auch unsere Zeit auf Erden begrenzt ist. Leiter dieser Gruppe - wie auch des gesamten Erlebnissommers mit seinen verschiedenen Angeboten - ist Pfarrer Jörg Lusche.
Gemeinsam mit dem Team vom Berneuchener Haus Kloster Kirchberg hat er das vielfältige Programm auf die Beine gestellt, das unter dem Motto steht: „Die beste Zeit im Jahr ist mein“. Ein Zitat übrigens, das von Martin Luther stammt.
Jörg Lusche: „Wir möchten, dass die Menschen während des Erlebnissommers Gott spüren und das Leben spüren, dass sie sich Zeit nehmen, aus dem Alltag herauszukommen.“ So macht sich die Gruppe, die das geistliche Angebot nutzt, an den Vormittagen auf und liest an schönen Orten in und um das Kloster bewegende und nachdenkenswerte Texte: Mal geht es mit Paradiesgeschichten aus der Bibel in den liebevoll gepflegten Klostergarten, oder die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durchwandern gemeinsam das Labyrinth.

Dorothea hat sich auf den weiten Weg von Berlin ins baden-württembergische Sulz am Neckar gemacht, um beim Erlebnissommer dabei zu sein. Sie ist nicht nur vom Kurs mit Jörg Lusche vollauf begeistert: „Man würde hier wirklich die Zeit vergessen, wenn nicht das wunderbare Geläut zu den Stundengebeten rufen würde. Alles ist so hervorragend organisiert, alles stimmt, die Umgebung, der Ort, das Essen, die Atmosphäre, ich bin wirklich begeistert.“

An den Nachmittagen können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter Familien, Alleinerziehende, Ehepaare und Alleinstehende, in Eigenregie oder organisiert in der Gruppe auf Erkundungstour in die Umgebung gehen: Auf dem Programm stehen eine Kanutour, Steineklopfen, Minigolf, ein Freibadbesuch, eine Wanderung oder eine Visite auf der nahen Burg Hohenzollern. Abends wird gemeinsam gespielt, am Lagerfeuer gesessen oder ein Film geschaut.

Ach ja, eigentlich wollten wir auch noch die Kinder befragen - für die es ein eigenes Programm im Erlebnissommer gibt - wie es Ihnen auf dem Kirchberg gefällt. Aber die waren so begeistert und ausgiebig mit ihrer Workshopleiterin im Wald unterwegs, dass wir sie leider nicht getroffen haben.