08.04.2015

denk mal kunst: Jürgen Knubben im Kloster Kirchberg

Berhard Rüth (li.) und Jürgen Knubben im Klostergarten

Knubben-Skulpturen im Kreuzgang

Mit einer Präsentation von Werken des Rottweiler Künstlers Jürgen Knubben im Sulzer Kloster Kirchberg eröffnet der Landkreis Rottweil am 10. Mai eine neue Reihe von Kunstaktionen unter dem Titel: denk mal kunst.

Bei einem Werkstattgespräch am 8. April berichteten Jürgen Knubben und Kreisarchivdirektor Bernhard Rüth im Klosterareal über die Vorbereitungen und die Konzeption der Ausstellung. „Künstler und Standort wurden mit Bedacht gewählt“, so Bernhard Rüth. „Unsere Reihe wird aktuelle Arbeiten von Künstlern im konzeptionellen Zusammenhang mit Kulturdenkmälern zeigen. Hier im Kloster Kirchberg treffen Skulpturen der Gegenwart auf Architektur der Gotik und des Barock. Das schafft interessante Kontraste.“
Jürgen Knubben, nach Rüths Worten „Leitfigur der Rottweiler Kunstszene“, arbeitet als Bildhauer und Kunsterzieher, ist Geschäftsführer des FORUM KUNST Rottweil und gehört zu den renommiertesten Künstlern Baden-Württembergs. Auch über die Landesgrenzen hinaus und im Ausland ist der gebürtige Rottweiler aktiv, so in Italien oder Taiwan.
Das Berneuchener Haus Kloster Kirchberg kennt der 60-Jährige von zahlreichen Besuchen und schätzt die besondere Atmosphäre des Ortes, insbesondere der Nonnenfriedhof mit seinen Metallkreuzen hat es ihm angetan: „Ich freue mich, dass es möglich ist, hier unsere Ausstellung zu präsentieren. Es ist ein wunderbares Areal für einen Künstler, der sich in seinen Arbeiten mit Architektur auseinandersetzt. Die Arbeit hier macht viel Spaß, aber sie ist auch anstrengend.“
Nachdem das Land als Besitzer der denkmalgeschützten Anlage grünes Licht für die Ausstellung gegeben hatte, zeigten sich auch die Verantwortlichen des Hauses von der Ausstellungsidee begeistert. Unter gewissen Voraussetzungen: So konnten die Arbeiten zwar bereits Anfang April aufgestellt werden, um die Werke für den Katalog, der zur Ausstellungseröffnung erscheinen soll, zu fotografieren. Mehrere Skulpturen im Innenhof müssen dann allerdings wieder abgebaut werden, da der Platz für das Klosterfest am 1. Mai benötigt wird. Ein ziemlicher Aufwand, handelt es sich bei den Arbeiten Jürgen Knubbens doch vor allem um große Stahlarbeiten, die nur mit schwerer Maschinenkraft bewegt werden können.
Alle Skulpturen, die auf dem Kirchberg bis zum 25. Oktober gezeigt werden, sind jüngeren Datums und entstanden zwischen 2004 und 2015. Der Ausstellungstitel „Twins“ deutet bereits darauf hin - es handelt sich zum überwiegenden Teil um zweiteilige Arbeiten. „Nicht erst seit dem 11. September 2001, als die Twintowers in New York zerstört wurden, spielt das Duo, das Duett, der Dialog für mich eine große Rolle.“ Mit seinen Twin-Arbeiten möchte Jürgen Knubben die Unterschiede und das Gemeinsame von zwei Personen oder Dingen zusammenbringen. Die verschiedenen Objekte, meist Grundformen wie Viereck oder Dreieck, stehen in Korrespondenz miteinander, sind zwei eigenständige Skulpturen und bilden doch eine Einheit, „immer mit dem Bezug auf die Architektur, die sich hier im Kloster Kirchberg so wunderbar vorfindet“, erläutert der Künstler.
Besonders wichtig ist Jürgen Knubben die „Begehbarkeit“ seiner Werke, von denen im Areal des Berneuchener Hauses sowie in der Johanniskirche rund zwanzig Twins und einige Einzelarbeiten gezeigt werden. Den Raum dafür schafft das großzügige Klosterareal. „Ich möchte, dass die Betrachter die Skulpturen umgehen, sie von allen Seiten wahrnehmen können. So können sie sich die Skulptur erarbeiten.“ So ist beispielsweise das Betreten der Treppenskulpturen im Klosterhof vom Künstler ausdrücklich erlaubt.
Aufpassen sollte man allerdings beim Begehen und Berühren der Werke, denn sie sind nicht klinisch rein, sondern allesamt verrostet. Dabei hat das Korrosionsprodukt eine „wahnsinnige Bedeutung“ für den Künstler. „Rost zeigt das Werden und Vergehen. Im Alltag spielt er eher eine negative Rolle, für mich ist Rost eine Patina, die unheimlich lebendig ist und nichts mit kaputtgehen oder sterben zu tun hat. Ich will damit das Zeitliche und das Vergängliche zeigen, meine Werke brauchen nicht für die Ewigkeit Bestand haben, sie verändern sich ständig. Es ist wie bei einem älteren Gesicht, der Rost erzählt eine Geschichte. Und die Natur ist durch die Oxidation ein Mitspieler bei meinen Arbeiten.“
Unter den ausgestellten Skulpturen finden sich zahlreiche Säulen, eine davon steht neben dem Labyrinth vor der Johanniskirche. Sie ist eine Hommage an den rumänisch-französischen Künstler Konstantin Brancusi und dessen endlose Säule. Dieser knapp 30 Meter hohe und 29 Tonnen schwere Gusseisenkoloss steht seit 1937 in der rumänischen Stadt Targu Jius.
Die Variation dieser Säule auf den Kirchberg ist freilich kleiner, doch sie nähert sich mit der Idee der Unendlichkeit und ihrem Standort vor der Kirchberger Johanniskirche dem großen Themenfeld „Glauben und Kirche“. Kein Wunder, ist der Künstler doch auch studierter Theologe. „Ich bin kein Sakralkünstler, aber die Religion, der Glauben spielen natürlich schon eine gewisse Rolle.“

Die Ausstellung „denk mal kunst: Jürgen Knubben im Kloster Kirchberg - Twins“ wird am 10. Mai um 16 Uhr eröffnet. Die Schau im Berneuchener Haus Kloster Kirchberg in Sulz am Neckar ist täglich - bis zum 25. Oktober - für Besucher frei zugänglich.