05.03.2012

Als helfender Bruder auf dem Kirchberg

Benjamin Härte, Michaelsbruder, PR-Fachmann, Doktor der Politikwissenschaft und Laienprediger erzählt über seine Zeit als "helfender Bruder" auf dem Kirchberg.

Raum schaffen für Gottes Gegenwart
Zwei Wochen als „helfender Bruder“ im Berneuchener Haus Kloster Kirchberg

„Zu Hause in der Firma stoßen sie gerade mit dem ersten Kölsch an…“ Benjamin Härte steht vor der Elisabethkapelle im Kloster Kirchberg und macht sich bereit für das Mittagsgebet. Es ist Donnerstag, 11.45 Uhr. „Zu Hause“, das ist das rheinische Bonn, wo an diesem Tag „Weiberfastnacht“ begangen wird. Die Firma, das ist ein großer Automobilzulieferer. Dort arbeitet der 36–Jährige als Pressesprecher. Doch hier, weitab von Kölsch, Kamellen und Kollegen, ist Härte in einer anderen Funktion. „Die beiden Wochen um Karneval verbringe ich hier als so genannter helfender Bruder.“ Seit September 2011 ist Benjamin Härte Mitglied der Evangelischen Michaelsbruderschaft, einer der drei geistlichen Gemeinschaften, von denen das Kloster Kirchberg mitgetragen wird. „Als Mitglied haben wir die Möglichkeit, gegen Kost und Logis hier mitzuarbeiten – das wollte ich ausprobieren.“

Arbeit gibt es genug auf dem Kirchberg: Tagungsbetrieb, Küche, Grundstück…. „Da ich stark sehbehindert bin, komme ich für solche Aufgaben nicht so sehr in Frage“, sagt Härte. „Aber da gibt es ja noch den geistlichen Bereich.“

Vier Stundengebete werden täglich auf dem Kirchberg gefeiert. „Viermal am Tag habe ich Gelegenheit, in der Gemeinschaft über mein Verhältnis zu Gott und zu meinen Mitmenschen nachzudenken.“ Doch diese Gebetszeiten müssen auch gestaltet und geleitet werden. „Es gibt verschiedene Aufgaben“, erläutert Benjamin Härte. „Der Vorbeter leitet das Gebet und bringt die Fürbitten vor, auch die besonderen Anliegen der Hausgäste.“ Der Kantor ist für die Anleitung der Lieder und Psalmen verantwortlich, während der Lektor für die Schriftlesung zuständig ist. „Jede Gebetszeit hat ihr festes Gepräge und spiegelt die Tageszeit, aber auch die Zeit im Kirchenjahr wider.“ Als Helfender wirkt der promovierte Politologe in den verschiedenen Aufgaben mit. „So verinnerliche ich viel dazu und entlaste gleichzeitig die Hausgemeinde.“

Besondere Höhepunkte für den ordinierten Prädikanten, also Laienprediger, sind die Abendmahlsgottesdienste. „Am einem Sonntag meines Aufenthaltes habe ich die Predigt gehalten, das war ein bewegendes Erlebnis – in der Feier der Evangelischen Messe wird mir immer besonders deutlich, dass wir Teil einer Weltumspannenden Kirche sind.“ 

Gespräche und Begegnungen mit den Gruppen und Einzelgästen sind für Benjamin Härte ebenso eine Bereicherung. „Ich lerne neue Menschen und neue Sichtweisen kennen – die Offenheit des Hauses für die verschiedensten Angebote, verbunden mit der festen Verwurzelung in einer langen christlichen Tradition fasziniert mich immer wieder.“

Wie verändert die Zeit auf dem Kirchberg einen Menschen? „Ich bin viel zum Nachdenken über mein Verhältnis zu Gott und zu meinem Leben gekommen“, sagt Benjamin Härte. „Die wiederkehrende Struktur der Gebete gibt Halt, und ich bekomme Freiraum, die Psalmworte, Lesungen und Lieder in mir wirken zu lassen. Hier kann ich Gott den Raum geben, den ich ihm im Arbeitsalltag so oft nicht geben kann. Die eigentliche Wirkung dieser Tage, der Gottesdienste und Begegnungen entfaltet sich vermutlich erst, wenn ich längst wieder zu Hause bin.“ 

Das Bild zeigt von links: Benjamin Härte, Lothar Müller (Assistent des geistlichen Leiters) und Matthias Gössling (geistlicher Leiter des Berneuchener Hauses) während des Mittagsgebets in der Elisabethkapelle