21.05.2018

60 Jahre Berneuchener Haus - Jubiläumsfest mit Landesbischof July

Alle Bilder: Helmut Knapp

Am Pfingstfest 1958 wurde das Berneuchener Haus im Kloster Kirchberg in Sulz am Neckar feierlich eröffnet - in einer Prozession wurde das Haus geweiht, und einer der Gründerväter des Hauses, Bischof Wilhelm Stählin, hielt zum Abschluss ein feierliches Hochamt.
60 Jahre später, am Pfingstmontag 2018, war es ein Festgottesdienst mit dem württembergischen Landesbischof Frank Otfried July, der den Jubiläumstag eröffnete. Der Geistliche Leiter des Berneuchener Hauses, Pfarrer Matthias Gössling, begrüßte die Jubiläumsgäste in der bis auf den letzten Platz gefüllten Johanniskirche. „Viele sind heute gekommen und wir freuen uns sehr. Wir freuen uns sehr, weil wir am Menschen interessiert sind“, so Gössling. Eine große Freude sei es auch, dass der württembergische Landesbischof Frank Otfried July mit seiner Frau zum Jubiläum gekommen sei: „Wir sind der weltweiten Kirche verbunden und natürlich auch der württembergischen Landeskirche. Und das“, so Matthias Gössling weiter, „obwohl wir ja ein bisschen anders sind als die Württembergerinnen und die Württemberger.“

Landesbischof July begann seine Predigt mit einem Zitat von Papst Franziskus: „Pfingsten macht die Kirche jung, immer wieder jung. Ein gut evangelischer Satz“, wie July meinte, „denn die Kirche hat sich immer wieder zu erneuern.“ Und weiter:  „Das Herz des Berneuchener Hauses ist der spirituelle Dienst am Menschen. Die evangelischen Messen die hier gefeiert werden, auch heute an diesem Tag, sind jedes Mal ein kleines Pfingstfest.“
Auch sei, so Frank Otfried July, „die besondere Pflege des Gottesdienstes, der sich auf dem Kirchberg versammelnden Gemeinde ein besonderer Beitrag zur Erneuerung, zum jung werden der Kirche, ein Durchbrechen der Grabesstimmung und so mancher Verzagtheit in Analysen und Veröffentlichungen unserer Kirche.“
Das Berneuchener Haus habe in den 60 Jahren seinen Beitrag zur Sendung und Gegenwart der Kirche geleistet, stellte Landesbischof July fest: „In seinem besonderen Charisma und der es tragenden Gemeinschaft, in Gottesdienst, Seelsorge, Spiritualität, aber auch Tagungsarbeit lässt sich immer etwas erleben von jenem Sammeln, Versammeln, von jenem Hören, Sehen, von jenem Senden und gesendet werden.“

Im Anschluss an den Gottesdienst eröffnete Steffen Bohnet, Vorsitzender des Vereins Berneuchener Haus, eine Fotoausstellung, die in acht großen Bildkästen Aufnahmen aus den Anfangszeiten sowie den letzten sechs Jahrzehnten zeigt. „Vier von acht Kästen“, so Bohnet, „sind den Menschen gewidmet, nicht ohne Grund, denn Menschen sind für uns das höchste Gut. Wenn auf den Kirchberg keine Menschen mehr kommen, können wir einpacken.“
Die stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Sulz, Cornelia Bitzer-Hildebrandt, gratulierte in ihrem Grußwort zum Jubiläum, nannte das Berneuchener Haus einen „geistlichen und touristischen Mittelpunkt der Stadt“, der „aus dem kulturellen Angebot nicht mehr wegzudenken sei.“ Wolfgang Szabady vom Ortschaftsrat des Sulzer Ortsteils Renfrizhausen, zu dem Kloster Kirchberg gehört, wünschte dem Berneuchener Haus gutes Gelingen für die nächsten Jahre, insbesondere für den Umbau der Oberen Scheuer zu neuen Tagungsräumen.
Von einer „wagemutigen Entscheidung“ für den Kirchberg als Sitz des Berneuchener Hauses sprach Michaelsbruder Adolf Klek, der von Anfang an die Entwicklungen auf dem Kirchberg begleitet und beobachtet hat und einer der Ausstellungsmacher ist.

Nach dem gemeinsamen Mittagsgebet und dem anschließenden Essen im Festzelt nahm Adolf Klek die Besucher mit auf einen heimatkundlichen Spaziergang zum benachbarten Wandbühl.

Eine Gesprächsrunde im Festzelt beschäftigte sich mit dem Thema: Berneuchener Haus - Auslaufmodell oder auch weiterhin ein Ort zum Aufatmen? Dabei waren sich die Gesprächsteilnehmer - aus den drei Berneuchener Gemeinschaften sowie vom Verein Berneuchener Haus - einig, dass der Bedarf an Rückzugsmöglichkeiten wie dem Kirchberg stetig wächst, es allerdings schwierig sei, Nachwuchs für die geistlichen Gemeinschaften zu finden. Bei der Gewinnung neuer Mitglieder dürfe man jedoch nicht irgendwelchen Trends hinterherrennen, zeigte sich Matthias Gössling überzeugt, sondern man müsse zeigen und deutlich machen, was für die Gemeinschaften charakteristisch sei und damit überzeugen.

Seinen feierlichen musikalischen Abschluss fand der Jubiläumstag in einer Musikalischen Vesper in Form eines Evensongs, präsentiert von der Schola Kirchpergensis unter der Leitung des Kirchberger Kantors David Bosch. Schon beim morgendlichen Festgottesdienst hatten die Mitglieder mit ihren Stimmen die Zuhörer begeistertet und bezaubert.