13.11.2019

Eine gute Balance finden - Jahrespressegespräch 2019

"Es ist nicht einfach, immer wieder eine gute Balance zu finden in unserem Haus“, beginnt Lothar Hölzle, der kaufmännische Leiter im Berneuchener Haus Kloster Kirchberg, seine Ausführungen beim Jahrespressegespräch 2019. „Wir sind geistliches Zentrum der Berneuchener Gemeinschaften, ein Verein mit einer Satzung, müssen das Gemeinnützigkeitsrecht und das Steuerrecht einhalten, sind Mieter des Landes, haben unseren Sitz in einem denkmalgeschützten Gebäude, sind Mitglied im Diakonischen Werk und deshalb an die Bezahlung noch TVÖD gebunden, an uns werden oft Anforderungen wie an ein Hotel gestellt und wir sind doch ein evangelisches Tagungshaus.“ Der Balanceakt – er hat auch in diesem Jahr die Kirchberger vor manche Herausforderung gestellt und ist doch wieder geglückt. „Bei den Übernachtungszahlen liegen wir leicht unter dem Plan von 17.700, die aktuelle Prognose liegt bei 17.524. Im Februar gab es eine sehr schlechte Belegung und die konnte auch mit dem überdurchschnittlichen Oktober nicht ganz ausgeglichen werden.“ Insbesondere die Sanierung der Abwasserleitung vor dem Konventgebäude führte zu einem Rückgang der Übernachtungszahlen; deshalb ist man heilfroh, dass diese Bauarbeiten nun endlich erfolgreich abgeschlossen werden konnten. Eine andere Baumaßnahme, der Umbau der Oberen Scheuer in ein neues Tagungshaus, ist dagegen noch in vollem Gange. Am 25. Oktober wurde Richtfest gefeiert und die Bauarbeiten liegen – auch wenn es so manche Überraschung gab – im Plan. Die feierliche Eröffnung des neuen Hauses wird am Ostermontag 2020 sein. Dass es in der Oberen Scheuer dann vier zusätzliche und dringend benötigte Tagungsräume gibt, wird sich auch positiv auf die Übernachtungen auswirken, so Lothar Hölzle: „2020 planen wir mit 17.800 Übernachtungen.“ Die Zahl der Gäste, die eine der rund hundert hauseigenen Veranstaltungen besuchen – 2020 werden es 116 Seminare sein – ist in diesem Jahr stark gewachsen, auch bei den Wirtschaftsgruppen gab es eine leichte Steigerung. Dafür kamen weniger kirchliche Gruppen auf den Kirchberg. „Das hängt mit der Kirchenwahl zusammen. Nach der Wahl in Württemberg und Baden am 1. Advent erwarten wir im kommenden Jahr wieder mehr Kirchengemeinderäte auf dem Kirchberg.“ Auf weitere Zuwächse hofft man auch bei den gemeinnützigen Gruppen, so will das Diakonische Werk künftig mit seinen FSJ-Gruppen auch auf den Kirchberg kommen. Bei den Umsätzen legten die Schenke und die Gastronomie in den Aufenthaltsräumen zu, der Klosterladen stagniert. Fast alle Umsatzrekorde brach das diesjährige Klosterfest. Das wunderbare Ausflugswetter war sicher nicht ganz unschuldig an dem Besucherboom.Der Verein Berneuchener Haus e.V. als Träger des Tagungshauses verzeichnet für das laufende Jahr 589 Mitglieder, das sind 21 mehr als noch vor drei Jahren. Erfreulicherweise gab es mehr Neumitglieder als Austritte. 2020 stehen im Verein Neuwahlen an. Das Kolumbarium hinter der Johanniskirche, in dem Vereinsmitglieder ihre letzte Ruhestätte finden können, verzeichnet regen Zuspruch: 85 der 96 Plätze sind reserviert, 75 sind bereits bezahlt und fünf der Nischen sind schon mit Urnen belegt. Wegen des großen Interesses laufen bereits die Verhandlungen für eine Erweiterung, laut Aussagen des Landes, sei ein weiteres Tor möglich.Ein Thema, das Lothar Hölzle besonders am Herzen liegt, ist die Gemeinwohlökonomie. „Wir wollten schon vor zwei Jahren loslegen, jetzt ist es im November endlich soweit gewesen. Es geht um werteorientiertes Wirtschaften, da möchten wir ein Zeichen setzen im Haus. Wir haben schon einiges erreicht, zum Beispiel beziehen wir unser Fleisch von Heiligenbronn; aber wir müssen noch viel anpacken. Bis Ende 2020 wollen wir uns nach dem Gemeinwohlökonomie-Standard zertifizieren lassen.“ In Verbindung mit diesem Projekt steht auch die Idee, zwei Ladestationen für E-Fahrzeuge einzurichten. Dafür muss allerdings außerhalb des Geländes eine neue Trafostation gebaut werden.

„Seit gut einem Jahr ist die Stelle meines Assistenten unbesetzt“, beginnt der geistliche Leiter Pfarrer Matthias Gössling seinen Part im Pressegespräch. “Die dauerhafte Besetzung gestaltet sich schwierig. Deshalb suche ich gerade Freiwillige für das nächste Jahr, die mich immer wieder wochenweise unterstützen.“ Matthias Gössling selbst wird zum April 2021 in den Ruhestand gehen. Bis zum 31. Dezember läuft noch die Bewerbungszeit für mögliche Nachfolger.
Eine personelle Veränderung gab es auch in diesem Jahr im geistlichen Bereich, der langjährige Kantor David Bosch hat den Kirchberg verlassen und Mitte September hat Lennart Faustmann die Stelle angetreten. „David Bosch hat Standards gesetzt, aber mit Lennart Faustmann haben wir einen jungen energievollen Nachfolger gefunden, der mit vielen neuen Ideen kommt.“
Das Jahresprogramm des Hauses für 2020 beinhaltet wieder eine Mischung bekannter und neuer Themen und Referenten: „Wir sind darauf erpicht“, erläutert Gössling, „Neues zu finden, aber im Grunde leben wir von der Kontinuität. Und so gibt es auch bei den Teilnehmenden sehr, sehr viele Wiederholungstäterinnen und Wiederholungstäter.“
Neu im Jahresprogramm sind beispielsweise ein Seminar, das sich mit dem Thema „Heilung in der Stille finden“ beschäftigt oder auch eine Tagung „Sinnerfüllt leben trotz Depression“.
Die Zahl der Tagesveranstaltungen nehme zu, so Gössling, und wird durch die neuen Räumlichkeiten der Oberen Scheuer auch noch weiter steigen können. Das Spektrum reicht hier von Tanz und Gesang bis zu Meditation und Märchen.
Für 2020 kündigt Matthias Gössling dann noch ein besonderes Jubiläum an, denn der Uhrig-Arbeitskreises, der sich um den Nachlass des Künstlers Helmuth Uhrig kümmert, besteht dann 20 Jahre und feiert dies mit einer Best-of-Ausstellung ab Pfingsten.

Bildunterschrift: Der geistliche Leiter Pfarrer Matthias Gössling (links) und Lothar Hölzle, der kaufmännische Leiter vom Berneuchener Haus