13.07.2020

Titus vom Kirchberg: Interview mit einem über Hundertjährigen

Geboren wurde der schwarze Mischlingshund Titus auf dem Kirchberg in Sulz am Neckar, seine Jugendjahre verbrachte er in Nordrhein-Westfalen, 2011 kehrte er an seinen Geburtsort zurück. Vergangene Woche nun hat der lebhafte Rüde seinen 15. Geburtstag gefeiert. Ein stolzes Alter für einen Hund, denn in Menschenjahren gemessen, ist er bereits über 100 Jahre alt. Wir haben den agilen Senior interviewt.

Titus, Sie sind ja ein waschechter Kirchberger.
Titus: Das stimmt. Ich kam am 1. Juli auf dem Kirchberger Weilerhof zur Welt, gemeinsam mit sechs Schwestern und Brüdern. Leider sind alle anderen aus meinem Wurf bereits verstorben. Meine Mutter hieß Ronja, sie war eine wunderbare Golden Retriever-Mischung, mein Vater Askan war ein astreiner Labrador und gehörte dem damaligen Geistlichen Leiter des Berneuchener Hauses, Peter Schwarz. 

Vom Kirchberg in Sulz kamen Sie ja dann erst Mal nach Paderborn – wie kam es dazu?
Titus: Da muss ich ein wenig ausholen: Meine Frauchen, die Pfarrerin Friederike Schmalfuß hat damals in Paderborn gewohnt und war für einen Kalligraphie-Kurs auf dem Kirchberg, ihr Mann Matthias Gössling, der auch Pfarrer ist, hat sie begleitet. Frauchen Schmalfuß wollte schon immer einen Hund haben, mein zukünftiges Herrchen war allerdings skeptisch. Also hat Friederike ihren Wunsch erstmal auf Eis gelegt. 
Aber dann kam ich! 
Matthias Gössling hat mich und meine Geschwister bei einem Spaziergang entdeckt und sich sofort in mich verliebt. Ich war schon damals ein sehr aufgewecktes, cleveres Kerlchen, dazu noch der hübsche weiße Fleck am Hals - das hat den beiden Zweibeinern aus Paderborn wohl imponiert. Weil ich so ein Draufgänger war und immer noch bin (Titus wirft sich in Positur), haben sie mich Titus genannt, der Feurige, nach dem Vorbild eines antiken römischen Herrschers. 12 Wochen bin ich dann noch in meiner alten Familie geblieben, dann kamen Friederike und Matthias mit ihrem Auto und haben mich zu sich nach Hause geholt. Die ganze Fahrt durfte ich bei meinem neuen Pfarrerherrchen auf dem Schoß sitzen, auf einer schön kuscheligen Decke, die ich heute immer noch habe. In der neuen Wohnung habe ich dann gleich mal auf den Teppich gepieselt – die beiden meinten, weil ich Angst hatte. Aber das habe ich natürlich nur gemacht, um mein neues Revier zu markieren.

2011 ging es dann wieder zurück auf den Kirchberg.
Titus: In diesem Jahr wurde mein Herrchen Geistlicher Leiter auf dem Kirchberg und wir sind zu dritt ins Berneuchener Haus gezogen. Ich war in Paderborn schon viel unterwegs, aber hier auf dem Kirchberg gibt es doch viel mehr zu entdecken. Ich bin ein ausdauernder Läufer und ein sehr verspielter Typ. Auch wenn ich heutzutage mit schmerzhafter Arthrose, Muskelschwund, Herz- und Augenproblemen zu kämpfen habe, bin ich täglich fünf Mal mit meiner Familie unterwegs. Ich sorge schon dafür, dass die beiden genügend frische Luft und Auslauf bekommen. Leider habe ich in letzter Zeit altersbedingt Probleme mit der Reinlichkeit. Ich rechne es meiner Familie deshalb sehr hoch an, dass sie stillschweigend meine Hinterlassenschaften in der Wohnung entfernt und mich nicht etwa in eine Windel oder ähnlich Peinliches steckt. Sehr fair! Riechen kann ich übrigens noch hervorragend – mir entgeht kein Leckerbissen.

15 Hundejahre entsprechen in etwa 105 Menschenjahren. Eine lange Zeit, da haben Sie doch bestimmt einige Geschichten zu erzählen.
Titus: Wenn ich Ihnen auch nur einen Bruchteil meiner Erlebnisse schildern würde, dann sprengte das den Rahmen eines normalen Interviews. Also begnüge ich mich mit einer besonders lustigen Story: Meine Familie schwärmt immer noch davon, wie ich mich als Halbstarker in einen alten, zotteligen Besen verbissen habe und auch dann nicht losgelassen habe, als mein Herrchen den Besen mit mir im Schlepptau immer schneller im Kreis herumgewirbelt hat. Das war ein Spaß! Ich bin geflogen wie in einem Karussell. Ob meine Zähne solch eine luftige Partie heute noch mitmachen würden, wage ich zu bezweifeln.

Es heißt, Sie haben Ihrem Namen "der Feurige" immer alle Ehre gemacht.
Titus: Nun ja, alle aus meinem Wurf haben einen ausgeprägten Jagdinstinkt entwickelt, allen voran meine Schwester Mira. Ich persönlich habe meinen Jagdtrieb jedoch meist im Griff, es gab nur einmal eine – zugegeben – etwas unrühmliche Ausnahme. Aber dieser Hahn aus der Kirchberger Nachbarschaft war auch ziemlich frech und hat immer wieder meine Reviergrenze übertreten. Da habe ich den Übeltäter kurzerhand gepackt und stolz meiner Familie präsentiert. Die haben die Angelegenheit jedoch etwas differenzierter betrachtet und mich zur Herausgabe des Hahns gezwungen. Es erfüllt mich mittlerweile mit einigem Bedauern, dass das Federvieh diesen Zwischenfall nicht überlebt hat.

Im Berneuchener Haus herrscht ja ein Kommen und Gehen, jährlich kommen über 7000 Menschen, um dort zu tagen, Urlaub zu machen oder einen Kurs zu besuchen.
Titus: Und Sie können mir glauben, ich kenne fast jeden. Von meinem Platz aus kann ich alle Gäste, die kommen, genau beobachten. Eigentlich ist es schade, dass ich durch eine Scheibe getrennt bin vom Empfangsbereich – ich würde gerne jeden persönlich mit einem Schwanzwedeln begrüßen und freundlich beschnüffeln. Das ist doch meine Aufgabe als Chef des Geistlichen Leiters. Aber es ist schon ganz ok mit der Glastür – es gibt ja auch Zweibeiner, die mit Hunden nicht so können, und es weiß ja nicht jeder, dass ich ein ganz Lieber bin. 

Ihr Frauchen und ihr Herrchen sind Pfarrer – sind sie ein gläubiger Hund?
Ja, ich glaube schon. In meiner Jugend war einer meiner Lieblingsplätze vor dem großen Kreuz in der Kirche in Fürstenberg. Meine Familie erzählt gerne, dass ich manchmal ganz andächtig davorsaß und so etwas wie stille Zwiesprache mit meinem Schöpfer gehalten habe. 

Eine letzte Frage noch: Was haben Sie sich für die Zukunft vorgenommen?
Ich hoffe, dass ich noch lange lebe, weil ich gar nicht weiß, was mein Frauchen und mein Herrchen ohne mich machen würden.

Titus, wir bedanken uns für das Gespräch!

 

Über das Berneuchener Haus Kloster Kirchberg:
Titus lebt im Berneuchener Haus Kloster Kirchberg, das ist ein Tagungs- und Einkehrhaus im baden-württembergischen Sulz am Neckar, das u.a. von den drei (evangelisch geprägten) Berneuchener Gemeinschaften getragen wird. 
Die bewegte Geschichte des Ortes beginnt im Jahr 1237, als Graf Burkhard von Hohenberg auf dem Kirchberg bei Sulz ein Kloster stiftete. Im Jahr 1806 ging das Dominikanerinnenkloster in den Besitz des Landes Württemberg über und wurde bis zur Mitte der 1950´er Jahre landwirtschaftlich genutzt. 
1958 übernahmen die evangelischen Berneuchener Gemeinschaften das Areal. Es entstand das Berneuchener Haus Kloster Kirchberg. 
Das ehemalige Kloster ist heute das Geistliche Zentrum der Berneuchener Gemeinschaften und vor allem ein Tagungs- und Einkehrhaus, das jährlich rund 7.000 Menschen anzieht. Sie nehmen an einer der rund 100 hauseigenen Veranstaltungen teil, kommen als Teilnehmer externer Seminare oder finden hier einfach einen Ort der Ruhe und Erholung. 
Das Spektrum der Veranstaltungen, die Kloster Kirchberg anbietet, reicht von religiösen Themen, über Fasten, kreative Tage, Seminare zu Lebensfragen oder Umweltthemen, bis hin zu Tanz und Singen. Das Haus verfügt über 100 Betten in den unterschiedlichsten Kategorien sowie verschiedene Tagungsräume.
Jeder Gast ist herzlich eingeladen, am gemeinschaftlichen Leben auf dem Kirchberg teilzuhaben, dabei lebt Manches aus der Tradition der Klöster im Berneuchener Haus weiter, insbesondere die geprägte Tagesstruktur mit ihren vier Gebetszeiten und die gemeinsamen Mahlzeiten.

Berneuchener Haus Kloster Kirchberg
72172 Sulz am Neckar
Tel: 07454-8830
empfang@klosterkirchberg.de
www.klosterkirchberg.de