04.02.2019

Agilität und Stabilität sind kein Widerspruch - Kirchberger Dialog 2019

 

Als Führungskraft stetig agil reagieren und bei Herausforderungen stabil bleiben, dafür bot die Veranstaltung Kirchberger Dialog Anregungen.

„Außen agil, innen still“, mit diesem Thema befassten sich mehr als 80 Führungskräfte beim 14. Kirchberger Dialog vom 28. bis zum 30. Januar 2019 im Kloster Kirchberg in Sulz am Neckar. Die Veranstaltung der BruderhausDiakonie und Samariterstiftung in Kooperation mit dem Berneuchener Haus bot mit Musik, Magie und Stille sowie mit Vorträgen und Workshops unterschiedlichste Zugänge zum Thema.

Der Agilitätsbegriff komme ursprünglich aus der IT-Branche, erläuterte Organisationspsychologe Professor Christoph Clases den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Industrie, Handel und Sozialwirtschaft. Agil sein heißt, neue Vorkehrungen zu treffen für immer neue Herausforderungen. Aber Agilität sei auch ein anderes Wort für „Laufe schneller!“.

Doch wie soll eine Führungskraft noch rascher auf neue Herausforderungen reagieren, wenn sie ihre Höchstgeschwindigkeit längst erreicht hat? Rebekka Reinhard, promovierte Philosophin und im Arbeitsalltag mit Depressions- und Burnout-Patienten im Austausch, empfahl, eine eigene Haltung zu entwickeln, um in Balance zu bleiben. Die heute unter Managern so bezeichnete „VUCA-Welt“ – Kennzeichen: Unbeständigkeit, Komplexität und Mehrdeutigkeit – haben auch Aristoteles und Wittgenstein in ihrer Zeit erlebt, so Reinhard.
Sie beobachte aktuell den Trend, dass Unternehmen Ethik-Abteilungen einrichten, mit dem Ziel, mit einer klaren Haltung für die immer schneller aufeinanderfolgenden Anforderungen gewappnet zu sein. Ethik – also etwas mit einer gewissen Haltung tun – sei ein lebenslanger Prozess.
Die Gewohnheit, undurchschaubaren Herausforderungen mit Haltung zu begegnen, müsse durch praktisches Tun entstehen. Dies habe schon Mark Aurel, römischer Kaiser und Philosoph, erkannt und mit dem Aufschreiben wichtiger Gedanken der Stoiker, ebenfalls Philosophen, seine Haltung entwickelt: Menschlich zu sein, Unwägbarkeiten und Dinge, die nicht zu ändern sind, mit heiterer Gelassenheit zu akzeptieren. Dazu gehöre auch die Freude am Konflikt, gepaart mit einer Haltung der Höflichkeit, machte Reinhard deutlich.
In manchen Unternehmen gehöre diese Haltung bereits zu Firmenkultur. Referent Christoph Clases ermutigte die Führungskräfte, Hierachien zu überdenken und Mitarbeiterteams zu vertrauen, auch wenn diese auf dem Weg zu Lösungen einmal einen Umweg machten.

In Workshops praktizierten die Teilnehmer Stille und Agilität, jammten bei Blues und Jazz oder ließen sich mit dem Herzensgebet in die Stille führen, um sich zu besinnen und Gelassenheit zu üben.

Zu den Teilnehmern des Kirchberger Dialogs gehörten auch vier Stipendiaten, darunter ein Wanderkoch. Die Firmen Beck Management Center, Apetito und Bosch hatten ihnen eine kostenfreie Teilnahme möglich gemacht.

Text: Sabine Steininger

Fotos: factum/Weise