27.05.2020

20 Jahre Kunstsammlung Helmuth Uhrig - Ein christlicher Künstler im Kloster Kirchberg

Anne und Otto Klein, Ulrich Koring vom Arbeitskreis Uhrig

Helmuth Uhrig - der Reformator Philipp Melanchthon

Helmuth Uhrig (1906-1979) war ein stark beschäftigter und gefragter Künstler mit umfangreichen Kenntnissen und Fähigkeiten. Seine Werke sind in ganz Westdeutschland verteilt, von Kressbronn am Bodensee bis Kiel an der Ostsee. Seit seinem Tod 1979 bis zur Eröffnung der Kunstsammlung Helmuth Uhrig im Berneuchener Haus Kloster Kirchberg bei Sulz am Neckar war er aber in der Kunstgeschichte in Vergessenheit geraten. Möglicherweise lag es daran, dass er nicht mehr mit neuen Werken präsent war. Leider wird und wurde die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg wie auch die Zeit danach von der Kunstgeschichte noch wenig aufgearbeitet, wenn nicht zu sagen vernachlässigt und nicht wertgeschätzt.

Da das Ehepaar Uhrig keine Kinder hatte, sollte der künstlerische Nachlass an die Michaelsbruderschaft gehen, in die der Künstler 1951 aufgenommen worden war. Das hatte Helmuth Uhrig den Brüdern gegenüber mündlich ausgedrückt. Nach dem Tod des Künstlers 1979 begab sich seine Witwe Margarethe geb. Eyth schließlich in eine Seniorenresidenz nach Stuttgart, wo sie Ende der 1990er-Jahre starb. Nun kamen die Nachlassverwalter auf das Berneuchener Haus Kloster Kirchberg zu und erklärten, dass sie Erben des künstlerischen Nachlasses seien. Hier hatte man inzwischen das angekündigte Erbe vergessen. Auf dem Kirchberg musste man sich das alles genau überlegen und einen geeigneten Ort für die Kunstwerke finden.

Ein erster Besuch im ehemaligen Wohnhaus von Helmuth Uhrig in Schmitten-Arnoldshain im südhessischen Hochtaunuskreis fand am 12. August 1998 statt. Beteiligt waren damals u.a. die Vereinsvorsitzende Dekanin i.R. Marianne Koch (1930-2020), der Geistliche Leiter Michael Raithelhuber (1940-2011) und der für die Finanzen zuständige Joachim Hanßmann. Vom heutigen Arbeitskreis Helmuth Uhrig war der Michaelsbruder Otto Klein damals auch schon dabei. Als Platz für die Werke Helmuth Uhrigs wählten die Verantwortlichen des Kirchbergs die Untere Scheuer aus, an deren Umbau es nun ging. Es musste eine Mischfinanzierung zusammengestellt werden. Deshalb befinden sich in der Unteren Scheuer auch bis heute die Bibliothek der Michaelsbruderschaft und als Tagungsraum das Berneuchener Zimmer.

Im Herbst 1999 fragte der auf dem Kirchberg sehr engagierte Michaelsbruder und Pädagoge Adolf Klek die Balinger Kunsthistorikerin und Historikerin Dr. Ingrid Helber, ob sie jemanden wisse, der für den Aufbau eines kleinen Kunstmuseums auf dem Kirchberg in Betracht komme. In diesem Moment sah sie selbst dem Ende eines Projekts entgegen und erklärte sich bereit, diese Aufgabe gerne zu übernehmen.

Am 1. Februar 2000 fand ein erstes Gespräch mit Dekanin i.R. Marianne Koch auf dem Kirchberg statt bezüglich der Möglichkeiten, der Konzeption, der Weiterentwicklung und der Kosten. Schließlich fuhr Dr. Ingrid Helber am 2. März mit dem kirchlichen Baudirektor i.R. und Architekten Günter Memmert sowie Otto Klein nach Arnoldshain. Dort verschafften sich die drei einen Überblick über den Nachlass. Günter Memmert war vom erheblichen Umfang einigermaßen schockiert und wies darauf hin, dass man zur Ausstellung auch noch einen Magazinraum benötige. Die Bücher, so meinte er, könne man in der Kirchberger Bibliothek unterbringen. Er fand die Idee von Ingrid Helber gut, einige Kunstwerke Uhrigs im Berneuchener Sitzungszimmer in der Unteren Scheuer und im Konventgebäude aufzuhängen.

Am 10. April sollte bei einer Besprechung ein „Beraterteam“ für Frau Helber zusammengestellt werden. Daraus entwickelte sich der Arbeitskreis Helmuth Uhrig. Zunächst bestand er aus Marianne Koch, Michael Raithelhuber, Dr. Eickhoff, Otto Klein, Adolf Klek und Monika Naidu. Die letzten drei sind nach 20 Jahren immer noch dabei wie auch Dr. Ingrid Helber als Kuratorin der Kunstsammlung.

Mit dem Künstler, Schreiner und Lehrer Otto Klein wurde abgesprochen, wie man die Archivschränke Uhrigs und die umfangreiche Handbibliothek am geschicktesten in der Unteren Scheuer aufstellen sollte.

Als Datum der feierlichen Eröffnung wurde Samstag, der 8. Juli 2000 festgelegt. Fünf Wochen davor sollte der Umzug von Arnoldshain nach Kirchberg erfolgen. Begleitet wurde dieser von der Nachlassverwalterin, von Frau Marie-Margot Drescher, der früheren Leiterin der Paramentenwerkstätte des Elisabethenstift in Darmstadt. Sie war mit dem Ehepaar Uhrig befreundet. Es war eine schweißtreibende Arbeit mit vielen helfenden Händen des Kirchbergs bis die Schränke und Regale standen, aus dem Umzugswagen alle Kunstmappen und großformatigen Kunstwerke in der Unteren Scheuer untergebracht waren. Aber pünktlich zum Eröffnungstermin war wirklich alles fertig und hatte einen Platz gefunden.

Vorab schon hatte das Evangelische Gemeindeblatt für Württemberg am 2. Juli 2000 einen Artikel zur Eröffnung der Kunstsammlung Helmuth Uhrig veröffentlicht. Der Bericht war von Ingrid Helber verfasst worden.

Der bekannte Fotoreporter Karl-Heinz Kuball und der Redakteur Gauß von der Neckarchronik stellten eine ganze Bild- und Textseite zu Helmuth Uhrig zusammen. In allen Jahren, in denen die Ausstellung verändert worden ist - es gab nur wenige Ausnahmen ohne Veränderungen - wurde das fortgesetzt. Auch der Schwarzwälder Bote berichtete immer umfangreich über die Aktivitäten in der Kunstsammlung Helmuth Uhrig.

Für die Eröffnung war am Vormittag des 8. Juli um 9.30 Uhr eine liturgische Einweihung vor dem Gebäude vorgesehen. In der Begrüßung sollte auf den Anlass zum Umbau der Scheuer eingegangen werden. Danach war die Übergabe durch den Architekten Dipl. Ing. Rudolf Böhmländer vorgesehen. Prof. Dr. Peter Poscharsky (1932-2016), einer der Nachlassverwalter, Professor für Christliche Archäologie und Kunstgeschichte an die Universität von Erlangen und Freund Helmuth Uhrigs sollte über das künstlerische Schaffen des Künstlers referieren. Dr. Ingrid Helber gab eine Einführung in den Aufbau der Kunstsammlung und informierte über die Breite des künstlerischen Wirkens von Uhrig. Grußworte waren vorgesehen vom Verein für Kirche und Kunst und von der Staatlichen Baubehörde. Auch eine musikalische Umrahmung war eingeplant. Nach einem gemeinsamen Mittagessen bot Frau Helber eine Führung an, da gerade die Michaelsbrüder aus dem badischen Konvent im Haus anwesend waren.

Dann ging es daran, mit viel Überzeugungskraft und Engagement die Verwaltung, Mitarbeiter, die Hausgäste und Besucher von der Qualität und der Besonderheit des Künstlers zu überzeugen. Am 9. Juli und am 24. September waren Tage der offenen Tür vorgesehen.
Es wurde ein Flyer erstellt mit wichtigen Informationen zu Helmuth Uhrig. Dieser wurde die letzten Jahre immer wieder nachkopiert. Nun zum Jubiläum konnte dieser textlich erneuert und mit farbigem Bildmaterial ausgestaltet werden.

Ein wichtiger Meilenstein war auch die Herausgabe der Künstlermonographie von Helmuth Uhrig. Es war eine ausgezeichnete Zusammenarbeit mit dem Geiger-Verlag in Horb, besonders mit dem Layouter, im Jahr 2006.

Viele thematische Ausstellungen gab es in der Kunstsammlung, fast jedes Jahr wurde verändert. Da der Platz in der Unteren Scheuer doch beengt ist, ging der Arbeitskreis mit viele Ausstellungen hinaus in andere Orte, an denen Uhrig gewirkt hatte oder als interessant galt: Herrenberg, Backnang, Altbach, Gerlingen-Gehenbühl, Stuttgart, Ulm, Lenningen-Hochwang, Wiesbaden, Darmstadt, Dreieich-Sprendlingen.

In den Archivschränken Helmuth Uhrigs lagern circa 10.000 Werke im Größenumfang einer Briefmarke bis zu monumentalen Entwürfen. Im Jahr 2007 kamen die von Uhrig geschaffene Kanzel und der Taufstein, Paramente und Abendmahlsgeräte aus der Paul-Gerhard-Kirche in Ulm auf den Kirchberg. Damit konnte das bildhauerische Werk des Künstlers besser präsentiert werden. Die große hölzerne Christusfigur von der Altarwand der Christuskirche in Kressbronn bereicherte die Kunstsammlung ebenso wie drei große Glasfenster, die das Klinikum in VS-Villingen als Dauerleihgabe an die Kunstsammlung gab. Im Jahr 2019 kamen noch die drei hölzernen Kanzelreliefs aus der Oberhofenkirche in Göppingen hinzu.

Gleich im zweiten Ausstellungsjahr begann der Arbeitskreis mit den thematischen Ausstellungen. Fast jedes Jahr gab es eine Veränderung und ein neues Thema. Am Anfang stand der Zyklus „Der verlorene Sohn“ (2001). Es folgten Hiob (2002), Jona (2003), Engel (2004), Landschaften, Menschen und die biblische Botschaft (2005), Künstlermonographie (2006), Ausstellung von Künstlern aus den Berneuchener Gemeinschaften - Zwischen Uhrig und Ikonen (2007), Verlorener Sohn (2008), Weihnachten (2009), Frauengestalten – von der biblischen Eva bis Margarethe (2010), „Im Anfang war…“ Helmuth Uhrig: Szenen aus den Büchern Mose (2011), „Szenen aus dem Leben Jesu“ und „Russische Impressionen“ (2012), Helmuth Uhrig: „Der Herr hält seinen Bund auch in der Not“ - „Hiob“ und Werke der Glaskunst (Fenster aus VS-Villingen, 2013-2014), „Das von Jesus von Nazareth“ vom Abendmahl bis Emmaus – die Passion und Abstraktionen (2015), Gleichnisse Jesu (2016-2017), Ludische Studien im Konventbau (2017), Gestalten des Alten Testaments (2018), „Unser tägliches Brot gib uns heute“ (2019), Christus spricht: Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium - Der Missionsbefehl und der Lauf des Evangeliums durch die Welt (2020).

Der Aufbau und die theoretische Aufarbeitung der Ausstellungen waren viel Mühe, haben aber auch viel Erfolg gebracht. Dr. Ingrid Helber und dem Arbeitskreis gelang es in den letzten 20 Jahren, viele noch verborgene Schätze zu heben und aufzuarbeiten und sie vor allem der Öffentlichkeit vorzustellen.

Im Juni 2020 soll der Umbau der Oberen Scheuer fertiggestellt sein. Es ist geplant, in den dortigen Räumen ebenfalls Werke des Künstlers auszustellen. Das wird ein weiteres Highlight des Jubiläumsjahrs werden.

Leider kann wegen der Corona-Krise 2020 keine Vernissage zur neuen thematischen Ausstellung stattfinden. Aber den Besuchern wird es möglich sein, das Werk weiterhin anzusehen. Ideen, wie das Werk Helmuth Uhrig einem weiteren Kreis zugänglich gemacht werden kann, gibt es im Arbeitskreis Uhrig zuhauf. Doch Projekte, wie die Digitalisierung des Nachlasses, sind von den Mitgliedern des Arbeitskreises Uhrig – sie sind alle ehrenamtlich tätig – kaum zu stemmen.

In der Eröffnungsrede im Jahr 2000 bekräftigte Dr. Ingrid Helber: „Helmuth Uhrig ist ein Glücksfall und eine Bereicherung für das Berneuchener Haus Kloster Kirchberg und wird hoffentlich viele kunstinteressierte Besucher an diesen schönen Ort führen.“ Das sollte auch für die Zukunft so gelten.