21.10.2019

Orgel, Gesang und Eisenbahn: Der neue Kantor auf dem Kirchberg

Foto: Heike Volz

Im Berneuchener Haus Kloster Kirchberg wurde am 15. September ein neuer Kantor in sein Amt eingeführt: Lennart Faustmann. Der gerade mal 23jährige Student der Kirchenmusik, der über seinen Vorgänger David Bosch auf den Kirchberg kam, hat sich einiges vorgenommen.

Geboren und aufgewachsen ist Lennart Faustmann in Leinzell, einem kleinen Ort in der Nähe von Schwäbisch Gmünd, gemeinsam mit zwei „ganz tollen“ älteren Brüdern.

Auf die Frage, wie er denn zur Musik gekommen ist, muss er lachen: „Eine Journalistin hat mich mal zu diesem Thema interviewt und für ihren Artikel dann die Überschrift „Mit dem Opa in die Oper“ kreiert. Mein Opa hat mich schon als kleinen Jungen hemmungslos oft in Konzerte und die Oper mitgenommen, so richtige Opern wie Zar und Zimmermann.“ Von Musik ganz begeistert, sang der kleine Junge schon früh im Kinderchor und mit sechs Jahren bekam er den ersten Klavierunterricht, nachdem er zuvor schon ohne Anleitung und recht begabt in die Tasten von Opas altem Klavier gegriffen hatte. „Meine Eltern meinten, es klang nicht schlecht.“

Bald wurde dem kleinen Lennart der Kinderchor zu langweilig und er bekam die Chance noch im Grundschulalter in einem Erwachsenenchor in Schwäbisch Gmünd mitzusingen.

Seine wahre Leidenschaft entdeckte Lennart jedoch, als ihn seine Klavierlehrerin einmal mit zum Orgel spielen nahm: „Diese Rieseninstrument wollte ich unbedingt beherrschen.“ Doch der Bezirkskantor aus Aalen, bei dem Lennart Faustmann gerne Unterricht nehmen wollte, riet ihm: „Lennart, du hast alles, was du brauchst zum Orgel spielen, aber dir fehlt Technik.“ Also nahm Lennart noch einmal eineinhalb Jahre Klavierunterricht und stieg dann bei seinem ersten Orgellehrer Thomas Haller ein. Es dauerte nicht lange und der Lehrer legte dem gerade 16jährigen ans Herz, sich doch auf die C-Prüfung für nebenberufliche Musiker vorzubereiten. Kein einfaches Unterfangen, aber Lennart Faustmann meisterte die Aufgabe.

Bis zum 18. Lebensjahr nahm die Musik im Leben des jungen Mannes einen immer größeren Stellenwert ein, so dass er sich entschloss, Kirchenmusik zu studieren. Über eine Begabtenprüfung erhielt er einen Studienplatz in Tübingen und nun, fünf Jahre später, steht er kurz vor dem Studienabschluss.

Und weil nur Studium Lennart Faustmann nicht genügt, leitet er bereits seit dem ersten Semester den Chor der Mauritius-Kantorei Ofterdingen, mit dem er für den 3. Advent ein großes Projektkonzert, ein Oratorium mit mehr als 70 Sängerinnen und Sängern vorbereitet; er arbeitet bei einem Opernprojekt in Balingen mit und komponiert eigene Stücke für die Orgel. Etwas vergessen? Ach ja, Gesangsunterricht nimmt er auch noch.

Für seine Arbeit auf dem Kirchberg hat sich Lennart Faustmann einiges vorgenommen: „Ich möchte weiterhin die Stundengebete mit Musik beleben und ich möchte in den Gottesdiensten mit der Orgel sensibel und liturgisch passende Musik maßfertigen. Oder einfacher ausgedrückt: Ich will, dass die Orgel sau gut klingt und die Menschen Freude haben, zuzuhören. Den Schatz der Gregorianik auf dem Kirchberg will ich halten und bewahren, mich noch mehr darin vertiefen und gleichzeitig den Blick weiten für die phantastische Musik, die rechts und links davon liegt.“

Auch die von David Bosch begründeten Konzertreihen „Musikalische Vesper“, Kirchberger Orgelkonzerte“ und „Kirchberger Klostermusik“ will Lennart Faustmann fortführen und gleichzeitig „neue Musikformate für den Kirchberg finden, die diesen Ort der Stille an ausgewählten Tagen prächtig bespielen.“ Ideen dafür hat er zu Hauf.

Besonders freut sich Lennart Faustmann auf die Arbeit mit der Kirchberger Orgel aus dem 18. Jahrhundert: „Die Orgel und ich, das war Liebe auf den ersten Blick. Das ist nicht selbstverständlich bei solch einem außergewöhnlichen Instrument, da muss die Chemie stimmen.“

Wenn er nicht für sein Studium büffelt und übt oder die verschiedensten Musikprojekte betreut, dann geht Lennart Faustmann leidenschaftlich gerne in die Oper und er kocht, backt und isst sehr gerne. Und weil er auf dem Kirchberg eine große Wohnung mit viel Platz bezogen hat, kann er sich hier auch noch einem weiteren Hobby widmen, das man bei dem musikalischen jungen Mann nicht unbedingt vermuten würde. „Ich bin Modellbahner; ich habe kürzlich 10 Umzugskisten mit meiner Anlage hierhergebracht und ich freue mich sehr, dass ich hier den Platz habe, um die Bahn aufzubauen.“