06.11.2017

Rückblick auf ein spannendes Jahr

Beim letztjährigen Pressegespräch hatte der kaufmännische Leiter des Berneuchener Hauses Kloster Kirchberg für 2016 noch 17.900 Übernachtungen prognostiziert. „Tatsächlich“, so Lothar Hölzle am 2. November beim Jahrespressegespräch 2017 des Tagungs- und Einkehrhauses in Sulz am Neckar, „lag die Zahl der Übernachtungen bei 18.122 – 8,3 Prozent mehr als 2015. Ein derart gutes viertes Quartal wie 2016 hatte es bislang noch nie gegeben. Froh und dankbar sind wir, dass wir sowohl unser Ziel für 2016 erreichen konnten und das für 2017 erreichen werden.“

Das noch laufende Kalenderjahr, so Hölzle weiter, sei ein spannendes gewesen. Die Monate mit hohen Belegungszahlen haben sich auch in diesem Jahr weiter in den Herbst verschoben, seit Ende September verzeichnet das Haus volle Belegung. Der Sommer 2017 war sehr schwach. „Wir sind am Überlegen“, erläuterte Hölzle die Maßnahmen zum Gegensteuern, „mit neuen Konzepten in der Ferienzeit mehr Familien mit einzubeziehen und Programme für Kinder anzubieten.“ Pfarrer Matthias Gössling, der Geistliche Leiter des Hauses, ergänzte: „Der Erlebnissommer, den wir 2015 ins Leben gerufen haben, ist nicht so gut gelaufen. Wir möchten mit einem neuen Angebot den Leuten vermitteln: Der Kirchberg ist ein Ort, wo es sich lohnt, im Sommer hinzukommen. Bringt eure Kinder mit, es gibt hier etwas zu erleben. Aber ein Eventsommer wird es nicht werden.“
Sollte sich der positive Herbsttrend bis zum Jahresende fortsetzen, könne man den  Plan mit 17 500 Übernachtungen noch erreichen. Lothar Hölzle: „Ebenso wie im Vorjahr werden wir auch im laufenden Kalenderjahr wieder ein ausgeglichenes Ergebnis erreichen.“

Nach wie vor sei es vor allem die Stille und die Atmosphäre des Hauses, die Gäste bewegt, den Kirchberg zu besuchen, weiß Lothar Hölzle: „Aus den Rückmeldungen der Gäste wissen wir, dass sie hier den passenden Rahmen finden für eine Auszeit, für Entschleunigung und für die Selbstfindung. Die freundlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Referenten, der wunderschöne Ort, die gepflegte Anlage, die Spiritualität und die Tagesstruktur schaffen eine Atmosphäre, die überzeugt.“

Immer kurzfristiger entscheiden sich die Gäste für einen Aufenthalt im ehemaligen Dominikanerinnenkloster. Eine Herausforderung, die es auch personell zu meistern gilt und die eine zunehmende Flexibilität von den rund 50 Mitarbeitenden fordert.

„Ohne ehrenamtliche und externe Helfer würde sich der Kirchberg nicht tragen“, stellt Lothar Hölzle fest. „Besonders im geistlichen Bereich und bei der Betreuung der Außenanlagen sind wir auf Freiwillige angewiesen.“ Trotz intensiver Bemühungen ist es in diesem Jahr nicht gelungen, einen Bundesfreiwilligen oder FSJ´ler für das Haus zu gewinnen, deshalb haben sich die Verantwortlichen entschieden, einen weiteren Ausbildungsplatz in der Hauswirtschaft zu schaffen. Die Stelle konnte im September mit einem jungen Mann besetzt werden, der auf dem regulären Arbeitsmarkt aufgrund einer Sprechstörung bisher keinen Ausbildungsplatz finden konnte.

Für 2018 plant das Haus mit 17.200 Übernachtungen. Das Minus im Vergleich zum laufenden Jahr erklärt sich mit notwendigen Baumaßnahmen an den Abwasserleitungen im Konventgebäude. Dafür wird das Haus im Februar und März zwei Wochen komplett geschlossen, mit Ausnahme der Wochenenden. Der Kapitelsaal im Konvent wird für zwei bis drei Monate gesperrt sein.

Ende Juni konnte zur Mitgliederversammlung des Vereins Berneuchener Haus e.V. das lang geplante Kolumbarium eingeweiht werden. Zwischenzeitlich sind bereits über 40 der 96 Plätze reserviert.
In Regie des Eigentümers von Kloster Kirchberg, dem Land Baden-Württemberg, sind gerade Sanierungsmaßnahmen zur Absicherung des Rossstalls angelaufen. Das als Lagerraum genutzte Gebäude muss, um es vor dem Absinken zu bewahren, in einem mehrjährigen Projekt aufwändig mit Betonkonstruktionen verfestigt werden.

Für den Umbau der Oberen Scheuer zu Tagungsräumen liegt mittlerweile die Kostenberechnung vor. Das Projekt wird nun voraussichtlich 0,2 Millionen Euro teurer als ursprünglich geplant. Dazu Lothar Hölzle: „Wir gehen jetzt von Gesamtkosten in Höhe von 2,1 Millionen Euro aus. Die Finanzierung ist noch nicht abschließend gesichert, derzeit laufen noch zwei Anträge auf Zuschüsse, die bis Ende des Jahres entschieden sein sollen.“ Der ursprünglich geplante Eröffnungstermin Ende 2018 wurde zwischenzeitlich auf Mitte 2019 verschoben.

Matthias Gössling konnte auch für das laufende Jahr wieder eine positive Entwicklung bei den hauseigenen Veranstaltungen vermelden. „Von den 98 geplanten Veranstaltungen mussten nur fünf storniert werden. „Das sind 5%, im Bereich der Erwachsenenbildung eine ganz seltene Quote“, freute sich Gössling. Die 2016 begonnene Symposien-Reihe „Religion und…“ wird in wenigen Tagen mit dem Kongress „Religion und Heilung“ fortgesetzt. Das große Interesse an diesem Thema - 79 Teilnehmer haben sich angemeldet - hat Matthias Gössling überrascht. Im November 2018 wird sich die Reihe dem Thema „Religion und Politik“ widmen, unter Vorbehalt haben bereits namhafte Referenten wie der baden-württembergische Ministerpräsident  Winfried Kretschmann, der CDU-Politiker Volker Kauder und der Europaabgeordnete Michael Theurer zugesagt. Matthias Gössling: „Im Rahmen dieses Symposions haben wir für den 10. November 2018 die renommierte Theatergruppe „Berliner Compagnie“ mit ihrem Stück „Das Bild vom Feind - wie Kriege entstehen“ eingeladen. Wir haben uns gedacht: Wenn schon, denn schon und für diesen Abend die Stadthalle Sulz angemietet. Das ist ein Wagnis und ein Experiment, aber das macht unser Programm ja auch aus, dass wir Experimentierfelder beackern.“ Auch für das Jahr 2019 ist bereits ein Symposion geplant, der Arbeitstitel lautet „Religion und Heimat“.

Ebenso gefragt wie die Symposien ist der Kirchberger Dialog, eine Veranstaltung für Führungskräfte in Kooperation mit der BruderhausDiakonie und der Samariterstiftung. 2018 findet der Kirchberger Dialog vom 29. bis 31. Januar statt, Thema ist „Mut und Verantwortung - Arbeit 4.0“.

Der Jahresplan 2018 verzeichnet wieder rund 100 Veranstaltungen. „Wir leben davon“, so Matthias Gössling, „ dass wir viele Veranstaltungen haben, die schon lange im Programm sind, das ist eine verlässliche Größe, gleichwohl haben wir auch jedes Jahr neues.“ Dazu gehören gleich zwei Seminare, die sich mit Franz von Assisi beschäftigen, ein Kurs, der Fotografie und Meditation vereint, eine Tagung über den Mitbegründer der Michaelsbruderschaft Karl Bernhard Ritter, Gregorianik-Kurse oder auch die Labyrinth-Pflege - ein Seminar, das in der Tradition der Kirchberger Ora-et-labora Aktionen steht.

Das Jahr 2018 ist für das Berneuchener Haus auch ein Jubiläumsjahr, denn vor 60 Jahren, an Pfingsten 1958 wurde das Haus eingeweiht „unter den argwöhnischen Augen der Bevölkerung, die dachten, was kommt denn da für eine Sekte auf den Kirchberg“, wie Matthias Gössling zu berichten wusste. Gefeiert wird am 21. Mai, dem Pfingstmontag, geplant sind ein Festgottesdienst mit dem württembergischen Landesbischof Frank Otfried July, die Eröffnung einer Fotoausstellung, eine Podiumsdiskussion zur Zukunft geistlicher Gemeinschaften sowie als musikalischer Abschluss ein Evensong, organisiert vom Kirchberger Kantor David Bosch.

Dieser zeichnet auch verantwortlich für das übrige, ausgesprochen vielfältige musikalische Programm auf dem Kirchberg. Neben den traditionellen Abschlusskonzerten der Chortage gibt es 2018 verschiedene Orgelkonzerte, Musikalische Vespern – u.a. mit dem Streichquartett Appassionato oder in Form einer orthodoxen Vesper – sowie die Kirchberger Klostermusik, beispielsweise mit Helge Burggrabes „Hagios“. Am 2. Oktober findet zugunsten des Umbaus der Oberen Scheuer ein Baustellenkonzert mit der Capella Kirchpergensis statt.

Das komplette musikalische Programm sowie alle Veranstaltungen im Berneuchener Haus Kloster Kirchberg finden Sie auf der Internetseite www.klosterkirchberg.de.