Von Tränenwundern und wandernden Steinen - Die bewegende Geschichte von Kloster Kirchberg

Fundamentsteine, die, wie von Geisterhand verrückt, gleich dreimal an einem anderen Platz auftauchen, ein Marienbild, das Tränen vergießt – so manches Wunder hat sich auf dem Kirchberg seit der Klostergründung 1237 ereignet, und um den mystischen Ort ranken sich zahlreiche Geschichten, Anekdoten und Legenden.

Wer sich eingehender mit der Geschichte von Kloster Kirchberg beschäftigen möchte, dem seien die Bücher von Adolk Klek empfohlen: „Nonnen, Ritter, Kommissare in der Klostergeschichte“ sowie „Herrengunst und Frauenminne“.

Aktuell: Im Mai 2014 erschien das jüngste Buch von Adolf Klek: "ain wild Ding damals zu Kirchperg. Krisen- und Krimizeit im Frauenkloster 1470-1570".
Darin beleuchtet der Kirchberger Haushistoriker und Michaelsbruder ein Jahrhundert Klostergeschichte, das von Sittenverfall, Messerstechereien unter den Schwestern, Betrügereien und schließlich dem Zuzug der "ordentlichen" und "züchtigen" Pforzheimer Nonnen geprägt war.

Alle Bücher von Adolf Klek sind im Klosterladen auf dem Kirchberg erhältlich.

Geschichte

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Graf Burkhard von Hohenberg stiftete im Jahr 1237 auf dem Kirchberg bei Sulz ein Kloster. Nur Adlige und begüterte Bürgerstöchter durften eintreten und so wurde das Kloster schnell wohlhabend – mit dem Wohlstand aber kehrten auch laxe Sitten ein.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts galt das Kloster als Vergnügungslokal für Junker. Die Folge: Die Ordensoberen verordneten den Nonnen, regelmäßig Gottesdienste zu feiern und „in ehrbarerer und züchtiger Kleidung“ zu gehen – oder das Kloster zu verlassen.

Im 18. Jahrhundert wurde das Kloster renoviert und erhielt im Wesentlichen seine heutige Gestalt.

1806 kam das Aus für die Dominikanerinnen, unter württembergischer Oberhoheit wurde das Kloster aufgelöst und der Besitz verstaatlicht. In den Räumen wurden eine Staatsdomäne und später eine Ackerbauschule eingerichtet, 23 Ordensfrauen durften jedoch weiterhin im Kloster wohnen.

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1855 verließ die letzte Nonne das Kloster. Zur selben Zeit begann auf dem Kirchberg so etwas wie ein ökumenischer Geist zu wirken, denn seitdem fanden in der Klosterkirche, der Johanniskirche, bis in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg Gottesdienste beider christlicher Konfessionen statt. Die Klosteranlage verfiel im Laufe der Jahrzehnte mehr und mehr, Teile wurden sogar abgerissen.

1958 übernahmen die Berneuchener Gemeinschaften Kloster Kirchberg - das bis heute im Besitz des Landes Baden-Württemberg ist - und gründeten das Tagungs- und Einkehrhaus „Berneuchener Haus Kloster Kirchberg“.
Die Berneuchener Bewegung selbst entstand zwischen 1923 und 1927, mit dem Ziel, an einer „inneren Erneuerung der Kirche“ mitzuwirken. Zu ihr gehören heute der Berneuchener Dienst, die Evangelische Michaelsbruderschaft und die Gemeinschaft St. Michael.

Heute kommen jedes Jahr mehr als 6.000 Menschen auf den Kirchberg: Sie nehmen an Veranstaltungen teil, nutzen das Haus als Tagungsort oder suchen einfach Ruhe und Erholung vom Alltag.

In einem Video können Sie sich gemeinsam mit dem Michaelsbruder und Hobby-Historiker Adolf Klek auf einen Streifzug durch die Geschichte des Kirchbergs begeben.